Dipl. Bauing. ETH/SIA/USIC Peter Bloetzer v/o Presto

Kyburger

16.9.1933 – 11.10.2018

Mit dem Tod von Bloetzer Peter v/o Presto verlässt uns ein weiterer Kyburger aus dem Wallis. Sein Hinschied kam trotz zunehmender Beschwerden überraschend.

Presto stand schon seit langen Jahren immer in der Öffentlichkeit. Einerseits in Politik und anderseits im Militär. Seine politische Laufbahn begann 1969 im Gemeinderat von Visp und führte ihn über diverse Stufen bis zum Vizepräsidium der Schweizer Delegation im Europarat. Militärisch beendete er seine Laufbahn zu einer Zeit, als es noch Regimenter in der Schweizer Armee gab. Er war Kommandant eines dieser Regimenter, des Geb Inf Rgt 18. Überall hinterliess er Spuren, welche schon im Lebenslauf oder in den Medien gewürdigt wurden.

Was können wir aber von Presto, dem Studenten und Verbindungsmenschen sagen und welche Episoden säumten seinen Weg; Episoden, welche nicht in offiziellen Lebensläufen auftauchen?

Als Presto sein Diplom als Bauingenieur erhalten hat, hatte der Chronist kaum das Licht der Welt erblickt.  So kommt es, dass ich auf Aussagen von Prestos Weggefährten angewiesen bin. Diesen – allen voran Neff v/o Possli – danke ich ganz herzlich für die Schilderungen. Ich bin auf mündliche Quellen angewiesen, da Presto es nicht für nötig erachtete, selber einige markante Begebenheiten aus seiner Aktivenzeit schriftlich festzuhalten und im goldenen Buch abzulegen.

Aus meinen wenigen persönlichen Begegnungen mit Presto sind mir zwei Begebenheiten in Erinnerung.

Einmal trafen wir uns, als wir, eine kleine Gruppe junger Kyburger hier im Wallis einen Stamm aufziehen wollten. Presto setzte sich mit der Idee durch, sich nicht allzu straff binden zu müssen und diese Treffen in lockererem Rahmen durchzuführen. Da habe ich einerseits seinen Hang zur Individualität und Flexibilität und anderseits seine klare Positionierung und Fokussierung auf das Machbare kennen gelernt. Eben ganz der Politiker.

Eine weitere Begegnung mit Presto war eine Einladung als Gast bei der Visper Schützenzunft. Da spielte er einerseits seine Rolle als Gastgeber und zeigte sich anderseits als profunder Kenner des historischen Visp, wo er in der Nähe des Zunfthauses dieser Schützenzunft aufgewachsen ist. Wenn er von den Brotringen erzählte, welche sein Vater, unser Altherr Surr von diesen Zunftanlässen heim brachte, kam auch der nostalgische und heimatverbundene Presto zum Vorschein.

Dass er sehr individuell und flexibel agieren konnte, habe ich von einem Dienstkollegen von Presto erfahren. Wie erwähnt, tat Presto Dienst zu einer Zeit, in der auch grosse Übungen zum alljährlichen Bild der Schweizer Armee gehörten. Eine dieser Übungen führte Presto ins Haslital. Der Feind lauerte überall und der Fortbestand der eigenen Truppe war von Informationen über eben diesen Feind abhängig. Die Informationen fehlten. Presto wusste Rat. Er schnappte sich ein Motorrad und durchbrach sämtliche feindlichen Linien – und wurde bei dieser Übung auch festgenommen. Wahrscheinlich war er aber inkognito unterwegs. Auf alle Fälle liess man ihn bald wieder frei und er konnte mit den gewonnenen Informationen über die feindlichen Stellungen die eigenen Truppen vor dem Untergang retten.

Auch wenn diese Episode dramatischer klingt als sie wahrscheinlich war, zeigt sie uns doch einen Wesenszug des rührigen Offiziers. Er war lösungsorientiert, unerschrocken und eben flexibel. Wahrscheinlich in dem Moment auch etwas kaltblütig und verwegen. Da hat sich aber der Anführer und Offizier Presto gezeigt.

Wenn seine Freunde aus der Aktivenzeit über Presto sprechen, decken sich die Beschreibungen. Er war der gutaussehende, ruhige, zuverlässige, beherrschte und zurückhaltende gute Kamerad. Von Exzessen ist nichts bekannt. Das würde auch nicht zum Verstorbenen passen.

Presto war auch sportlich und zugleich ehrgeizig. Die Kombination dieser Eigenschaften machten ihn zum idealen Mitglied des Walliser Trios aus der damaligen Aktivenzeit. Zusammen mit Gemmi und Dom nahm er zum Beispiel an den Skimeisterschaften des Schw-StV teil. Wer die Idee hatte, die damals in Mode stehenden weiten Skihosen mit Bändern in rosa-weiss-grün der besseren Aerodynamik wegen zusammenzubinden, weiss ich nicht. Sie waren ja alles Ingenieure und jeder hätte als Ideengeber in Frage kommen können. Auf alle Fälle ging das Trio siegreich aus dem Wettbewerb hervor – und das ist nun hier das Wichtigste.

An seine Zeit als Bauingenieur erinnern viele Bauwerke im ganzen Land. So zum Beispiel auch das Kultur- und Kongresszentrum La Poste, wo wir uns gerade für den Trauerkommers befinden. Da zeigte sich Presto, der Macher.

Vieles bleibt im Dunkeln. Viel wäre sicher noch zu erzählen. Doch Presto hat sich darob sehr bedeckt gehalten. Was aber klar ist: Alle Informanten – und das deckt sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen – schilderten Presto als nobel, vorbildlich und sehr überlegt.

Das hat sich auch in den letzten Jahren in seinem täglichen Ablauf gezeigt. Stets war er pikfein gekleidet, eben der noble Grand-Seigneur in «seinem» Visp unterwegs. Auch wenn seine körperlichen und mentalen Kräfte altersbedingt nachliessen – er war stilvoll und seiner Grösse wegen auch nicht zu übersehen.

Mit Presto verlässt uns nun ein weiterer Kyburger aus dem Land am Rhonestrand. Wir wollen ihm ein ehrendes Andenken bewahren und wünschen ihm nun den Frieden, in dem er ruhen möge.

Martin Henzen v/o Fendant