Dr. med. Karl Neff v/o  Gipfl

Kyburger, Suitia

31.01.1927 – 11.02.2019

Nun hat kurz nach Malz in den ersten Februartagen nach vielen anderen auch Gipfl unseren Freundeskreis verlassen. Als ich nach einem längeren Auslandaufenthalt den Anschluss an den Kyburger Altherrenstamm in Basel fand, waren Gipfl und Malz zusammen mit dem Neuromanen Pinsel eine Art Dreifaltigkeit als Symbol für den Stammheiligen. Immer präsent, bereit zu reden, zu schweigen und Gemeinsamkeit beim Bier zu pflegen.Dass Gipfl beinahe nur am Basler Stamm bekannt war – was ich von ihm weiss – ist in seiner Vita begründet ist. Diese will ich aus meiner begrenzten Sicht kurz beschreiben. Der Eintrag im Goldenen Buch ist kurz und prägnant.

 

Geboren wurde Gipfl am 31. Januar 1927 in Appenzell. Im Jahre 1931 kaufte sein Vater die Bäckerei und Konditorei zum Rössli in Gonten, wo er auch die Primarschule besuchte. Im Herbst 1940 trat er als Externer ins Kollegi Appenzell ein, aus dem er „aus sehr zweifelhaften Gründen entlassen wurde.“ Auch die Stiftsschule in Einsiedeln sollte nicht der Ort werden, wo er die Matura erreichte. Ein „consilium abeundi“ war der Grund für den Wechsel nach Schwyz, wo er das Kollegi mit der Matura Typ A verliess. In Schwyz trat er 1945 der Suitia, bei und wurde auch Mitglied des Schw. St. V.

 

Im Herbst 1947 begann Gipfl das Medizinstudium in Zürich. Da trat er der akademischen Kommentverbindung Kyburger bei und wurde im Herbst 1948 burschifiziert. Mit Jalon als Leibburschen scharte er ein stattliche Anzahl Leibfuxen um sich (Lord, Rotz, Raudi und Busch), was vermuten lässt, dass er ein gern gesehenes Mitglied der Verbindung war. Er bekleidete die Chargen des FM und des FK. Nach bestandenem Staatsexamen 1954 trat er in den Altherrenverband der Kyburger über. Bekannte Stationen seiner beruflichen Laufbahn sind 2 Assistenzjahre in Altdorf. Anschliessend bekleidete er die Stelle als Kreisarzt der eidg. Mil.Vers. St. Gallen. Im Militär wurde er 1956 zum Leutnant der Sanität befördert.

Wenn jemand beim Lesen dieser Zeilen auf die Idee gekommen ist, den Grund von Gipfls Vulgo durchschaut zu haben, muss er sich noch folgende kleine Episode vor Augen halten. Als Arzt einem Gebirgskurs zugeteilt, stand als krönender Abschluss die Besteigung des Piz Bernina auf dem Programm. Auf halber Höhe erlitt einer der Soldaten einen Schwächeanfall, wollte aber durchaus nicht wahrhaben, dass er den Aufstieg nicht schaffen werde. Mit dezidierten Worten und viel Überzeugungskraft konnte ihm Gipfl klarmachen, dass er entweder zurückbleibe oder niemand den Gipfel erreichen werde.

 

Die letzte Zeile im Goldenen Buch besagt: „Heirat am“. Dass der Eintrag unvollendet blieb, hat vielleicht damit zu tun, dass der Ehe nur kurzes Glück beschieden war. Gipfl, mit seinem untrüglichen Gefühl, was damals „ehrenvoll“ war, kam zum Schluss, dass man als Geschiedener schlecht zur Wertehaltung der Kyburger und des Schw. St. V. passte. Er zog sich über all die Jahre zurück, bis er im Jahr 1975 bei der damaligen Sandoz AG in Basel als Vizedirektor in der klinischen Entwicklung seine letzte berufliche Passion fand. Ebenfalls fand er da seine Frau Rita, die ihm auch drei Halbwüchsige in die Ehe einbrachte, zu denen sich mit der Zeit ein gutes Verhältnis entwickelte.

 

Als regelmässiger Stammbesucher am Basler Regionalstamm liess er sich dann auch gelegentlich zur Teilnahme an Kyburgeranlässen in Zürich bewegen. Doch letztlich blieb seine Kyburgerheimat auf Basel beschränkt, wo wir ihn als gutinformierten Zeitgenossen mit klaren Meinungen bei den Stammtischgesprächen schätzten. Gesundheitliche Problem erschwerten ihm zuletzt die Teilnahme an unseren Anlässen sehr. Umsomehr schätzte er es, wenn etwa Manko ihn am Arm nahm und nach Basel und wieder zurück nach Aesch, seinem letzten Wohnort, brachte.

Im kleinen Kreis haben wir von einem guten Lebensfreund Abschied genommen. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten.

Bernhard Zweifel v/o Phag