Urs Lenzi v/o Contra, 08.06.1946 – 02.02.2021

02.02.2021 - Oscar Gemsch v/o Tenno

Nachruf

lic. iur.

Urs Lenzi v/o Contra

Kyburger, Struthonia

08.06.1946 – 02.02.2021

  

„Am 8. Juni 1946 , punkt 9.12h hielt ich als viertes Kind – nach einer Schwester und zwei Brüdern – in unserer Familie Einzug. Schon 10 Monate später, am 17.4.1947 wurde uns unser Vater (AH Zika, Kyburger) durch einen Autounfall entrissen. Dennoch ermöglichte uns unsere Mutter eine glückliche, unbeschwerte Jugendzeit zu Hause.“

Mit diesen Worten hat Contra 1976 seinen Eintrag im Goldenen Buch begonnen. Sie zeigen seine beiden engen Beziehungen, die ihn sein Leben lang begleiteten, jene zur Familie und jene zu den Kyburgern; beide gehörten zusammen. Unter seinem Fuxmajorat wurde der Stall nach Hause eingeladen und von der Mutter fürstlich bewirtet. Die Mutter wie auch Contra betonten jeweils, dass solche Einladungen bestimmt auch im Sinne seines verstorbenen Vaters Zika seien.

Contra wuchs in Dietikon auf und ging dort in die Primar- und die Katholische Sekundarschule. Am 13.4.1961 trat er ins Kollegium St. Fidelis in Stans ein. Selbstverständlich wurde er Mitglied der Struthonia und somit Mitglied des Schw. StV. Sein vielsagender Penälervulgo war ‚Schluck‘! Nach der Matura B 1968 begann er das Jus-Studium in Zürich und schloss 1973 mit dem Lizentiat beider Rechte ab. Eine bei Prof. Werner Kägi begonnene Dissertation „Das Besuchsrecht der politischen Häftlinge“ musste er – schon weit fortgeschritten – leider abbrechen, weil das IKRK das Veto einlegte und internationale Schwierigkeiten befürchtete, da er allzu viele Interna (aus vertraulichen Quellen) kennen lernte und verwendete.

Sprachaufenthalte in Paris, Madrid und London, sowie ein Nachdiplomkurs in „Ganzheitlicher, systematischer Beratung“ ergänzten seine Ausbildung.

Seine beruflichen Stationen hat Contra selber wie folgt zusammengefasst:

  • Werkstudent (div. Kant. Amtsstellen, Statthalteramt, Bezirksrat sowie Rechtsauskunftsstelle "Protektorat für alleinstehende Frauen")
  • Rechtskonsulent in der Konzerngruppe Schweiz der damaligen CPC Europe heute Unilever (1977-1980)
  • Iurist, Stabschef und später Leiter Bereich Aus- und Weiterbildung am Betriebswissenschaftlichen Institut der ETHZ (1980-1992)
  • Geschäftsführer der Schweizer Kurse für Unternehmungsführung SKU (1981-1999)
  • "Administrative Director" des Center for Technology and Management (Joint Venture des International Management Development Instituts IMD Lausanne und der EPFL) 1992-1999
  • Seit 1.4.2000 geschäftsführender Gesellschafter von "Executive Futures", einer Firma, welche für Unternehmungen und Einzelpersonen Management Development Programme, besonders für mittlere und obere Kaderleute, evaluiert und konzipiert.
  • Von 2003 bis 2007 auch Inhaber und Betreiber der Lizenz "Stiftung BWI Management Weiterbildung". Anbieter von Intensivkursen und Coachings in Projektmanagement und Führung. Per 1.1.2008 ans BWI am MTEC der ETH Zürich überführt.

Contra sagte mal, dass er während seiner Studienzeit (WS 1968 bis WS 1974) hauptberuflich Kyburger war (Aktuar, FM, Balldelegierter, Burggraf, GPK). Rückblickend können wir feststellen, dass auch in seiner Zeit als Altherr sein Engagement zugunsten der Kyburger fast hauptberufliche Züge annahm: Verbindungs- und Anlassdelegierter im AH-Vorstand, verantwortlich für Festakt und Festkommers im Jubelkomitee 1987, Finanzkomitee Linde 1993, Festnachtkomitee bis 2003. Besonders erwähnenswert ist sein ausserordentlicher Einsatz für unser Kyburgerhaus, die Linde Oberstrass. Seit Beginn der 90er Jahre hat sich Contra in verschiedensten Funktionen und mit unterschiedlichsten Aufgaben und Verantwortlichkeiten für die Linde eingesetzt. Er war Verwaltungsratspräsident der LOAG, welche während einer gewissen Zeit die Funktion einer Betriebsgesellschaft für die Linde übernommen hatte. In diese Zeit fällt auch die Bewältigung der Beendigung der „Back und Brau“- Ära und der Neuanfang mit der GAMAG. Die Fusion der LOAG mit der Genossenschaft erforderte einige Klimmzüge, führte aber zum stabilen Betrieb, wie wir ihn heute haben. Von 2011 bis 2014 war Contra Präsident der Genossenschaft Kyburgerhaus.

Zurück zur Aktivzeit:
unvergesslich bleibt der ‚Einsatz‘ an den ‚Antifaschistischen Wochen‘ 1971 an der Uni, als zusammen mit Chrüüter und Batze im Lichthof während einer Vollversammlung der Linken drei Riesentransparente (Mao, Marx, Lenin) gekappt wurden. Dank Entwischen durch die Hintertür konnte die adhoc Aburteilung durch das Volkstribunal verhindert werden. Nach Polizeieinsatz und eingestellter Untersuchung der Bezirksanwaltschaft wurde die Angelegenheit mit einer (augenzwinkernden) Rüge des Universitätsrichters erledigt. Später stand im „Trumpf Buur“, man hätte den Couleurikern gescheiter ein grosses Bier bezahlt…

Ein weiteres Highlight von Contra’s Aktivzeit war der Korps-Döschwo, sorgfältig bemahlt mit Kyburgerwappen und Zirkeln. Er war Mitbesitzer zusammen mit Pfadi und Tschech. An einer Europa-Tournée parkierte man zur Übernachtung im Auto kurzerhand unter dem Eifelturm. In Ostberlin grüssten die Polizisten stramm das edle Gefährt, selbst wenn es in der falschen Richtung durch die Einbahnstrasse fuhr.

Mit dem Korps-Döschwo wurden die Füchse mit verbundenen Augen zur Beichte transportiert, damit der Beichtort geheim gehalten werden konnte. Besonders die Rückfahrt war für die Gebeichteten aufgrund der diversen genehmigten Getränkemischungen (der Schreibende kann dies aus Erfahrung bestätigen) eine besondere Herausforderung…

Auch 10 Zusatzstrophen zum „Räuberleben“ sind dem Korps-Döschwo zu verdanken; bei einem Ausflug nach Pergine musste die Rückfahrt etwas verschoben werden, bis alle fahrtüchtig waren; dieser Regenerations-Nachmittag wurde zum Dichten dieser Stophen genutzt.

Unvergesslich bleibt die Fuxenfahrt in einem VW-Bus mit FM Contra nach Paris. Um uns aufs Französische einzustimmen haben wir während der Fahrt ‚Asterix & Obelix‘-Ausgaben auf französisch gelesen und uns Sprüche angeeignet wie ‚ils sont fous ces romains‘ etc. In Paris durften wir bei der charmanten Couleurdame Claudia Joos (heute Frau von Pille) im Schlafsack nächtigen, nachdem wir hervorragend bewirtet worden waren – das war natürlich ein besonderes Gaudi!

Für die Fuxenschulung wählte Contra schöne Nachmittage im Bauschänzli mit Mittagessen und genügend Tranksame. So waren wir jeweils für den Stamm am Abend bestens vorbereitet.

Lieber Contra, du warst uns ein Vorbild und hast als Kyburger und Freund einzigartige Spuren hinterlassen; wir bleiben dir in Dankbarkeit verbunden.

 

Tapfer und Treu!
Oscar Gemsch v/o Tenno


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