Dr. med. Peter Johann Schneller v/o Prope

Kyburger, Neu-Romania, Rotacher

29.4.1943 – 27.7.2019

Peter kam am 29. April 1943 in Rheinau, Kanton Zürich, als viertes Kind von Otto und Klara Schneller (-Frei) zur Welt. Zusammen mit seinen vier Geschwistern wuchs er in einem Posthalter-Haushalt auf.

Peters Kindheit ist unweigerlich mit dem Bauern- und Landgasthof zum Buck in Rheinau verbunden. Diesem Umstand sind die vorschulischen Kenntnisse – auf elf zählen zu können – geschuldet, da es auf dem Buck elf Hühner zu versorgen galt. Direkt, ohne Kindergarten – was Peter zeitlebens für eine zu frühe Disziplinierung des unbeschwerten Kind-Seins hielt – besuchte er die Primarschule in Rheinau.

Danach erfolgte der Übertritt in das Kapuziner-Internat des Gymnasiums St. Antonius in Appenzell, wo Peter 1963 die Maturitätsprüfung ablegte. Die für ihn typischen Charakterzüge der Geradlinigkeit und Selbstbestimmtheit traten hier schon zu Tage. Auf Nachfrage seiner Mutter, warum er von Appenzell nicht nach Hause schreibe, stellte sich heraus, dass er sich weigerte, den Patres die Briefe zur Zensur abzugeben und folglich keine Briefe schrieb.

In diese Zeit fallen Peters Interesse für Ski- und Langlauf sowie Radtouren durch die Schweiz mit Zelt und dem Velo der Marke Tour de Suisse. Der Eintritt in die Verbindung – zu den Rotachern – ermöglichte es, dem strengen Internats-Regime zumindest zeitweise zu entkommen. Später war Peter auch bei den Neuromanen und Kyburgern.

Mit der medizinischen Untersuchung für den Fliegervorkurs endete der Traum vom Militärpiloten. Die Faszination vom Fliegen blieb, wobei es aber nur noch um ferngesteuerte Modelle ging.

Es folgte das Studium der Humanmedizin in Fribourg mit der Ablegung des Staatsexamens in Zürich 1971. Seine medizinische Ausbildung vollendete er als Assistenzarzt in Schaffhausen und Ilanz, sowie durch diverse Praxisvertretungen.

In Schaffhausen lernte er Christa Herth kennen, die wie er im dortigen Spital als Operationsschwester arbeitete. Die beiden verliebten sich und heirateten am 19. Juni 1971 in der Klosterkirche Rheinau. Aus der Ehe entsprossen vier Söhne.

Nach dem Spital Ilanz verwirklichte Peter mit tatkräftiger Unterstützung von Gattin Christa seinen Traum der Selbständigkeit in Laax, mitsamt Haus und Schieferdach. Die Praxiseröffnung erfolgte 1976. Peter und Christa haben diese mit viel Einsatz und harter Arbeit aufgebaut. Prope engagierte sich auch im Samariterverein Laax und von 1980-1992 im Vorstand des Regionalspitals Ilanz.

Als Kinder hätten wir uns vielleicht mehr Zeit vom Vater gewünscht, doch Arzt zu sein war für Peter nicht einfach ein Beruf, sondern im wahrsten Sinn des Wortes ‚Berufung‘, ein innerer Drang, für seine Patienten da zu sein, zu verstehen, zu helfen. Er war nie für halbe Sachen zu haben. Was man macht, macht man richtig oder lässt es sein. Diese Selbstlosigkeit mit seinem Energiehaushalt umzugehen, hat über die Jahre viel Kraft und Substanz gekostet. Die Appenzeller-Musik sorgte für Momente der Entspannung und liess Peter auch gerne das Tanzbein schwingen.

In unvergesslicher Erinnerung bleiben uns unsere gemeinsamen Ferien. Hier trat kam Peters Abenteuer- und Unternehmungslust zum Vorschein. Er hat uns neue Welten eröffnet und bleibende Erinnerungen geschaffen.

Die Praxis nach fast 30 Jahren loszulassen, fiel Peter nicht einfach. Die von ihm oft erwähnte Frühpensionierung setzte er zu unserer Überraschung aber um. Mit 62 Jahren hörte er auf und ging 2005 in Pension. Er brauchte eine Weile, sich an die Entschleunigung zu gewöhnen. Es ergaben sich aber einige sehr schöne und erfüllte Jahre. Die Betreuung der beiden Enkel, Eric und Olivia, sorgte für Abwechslung und viel Sonnenschein.

Was wir ahnten und fürchteten, er selber wahrscheinlich schon länger für sich wusste, wurde 2016 mit der Diagnose Demenz zur traurigen Gewissheit. Es folgten leidvolle Jahre, in denen Peter uns Schritt für Schritt entschwand, ohne dass wir ihn hätten festhalten können. Am meisten schmerzte es, Peter leiden zu sehen; dann, wenn er selber realisieren musste, was nicht mehr geht, die fortschreitende Hilflosigkeit, Angst und Fremdbestimmtheit. Die Krankheit machte ihn zum Gegenteil von dem, was er immer war, nämlich eigenständig, entscheidungsfreudig und voller Tatendrang. Du hinterlässt eine nicht zu füllende Lücke in unserem leben. Der 27. Juli 2019 war ein Tag der Erlösung und Erfüllung deines in einem lichten Moment geäusserten Todeswunsches. Wir sind dir für alles dankbar und werden dich schmerzlich vermissen und nicht vergessen.

Auszug aus dem Lebenslauf, verfasst von seinem ältesten Sohn Christoph Schneller

Dipl. Ing.-Agr. ETH Franz Jans v/o Cola
Kyburger, Struthonia
14.10.1943 – 9.7.2019

Traurig nehmen wir heute Abschied von unserem lieben Farbenbruder und treuen Freund Franz Jans v/o Cola. Zweieinhalb Wochen vor seinem Tod haben ihn meine Frau Doris und ich in seinem schönen Heim in Cordast letztmals besucht. Er war gezeichnet von seinem schweren Leiden und sowohl wir wie seine Claire ahnten, dass wir uns wohl nicht wieder sehen würden. So kam denn der Tod als Erlöser eines Leidensweges, der vor sage und schreibe 14 Jahren mit der Bestrahlung eines bösartigen Tumors begann.
Nun aber zum Lebenslauf von Cola, den er in Ergänzung zu seinem Eintrag im Goldenen Buch nach Abschluss seines Studiums verfasst hat:

„Laut mündlichen Überlieferungen und Aufzeichnungen der Gemeindekanzlei Hochdorf wurde ich am 14. Oktober 1943 vormittags in Baldegg geboren. Mit meinen acht Geschwistern (er war das zweitjüngste von neun Kindern) verbrachte ich meine frühe Jugendzeit auf dem Hof meiner Eltern Josef und Verena Jans-Stirnimann. Da Baldegg nur ein Töchterinstitut und ein Frauenkloster besass, musste ich die Primarschule in Hochdorf besuchen. In der Meinung, das nahegelegene Töchterinstitut könnte einen schlechten Einfluss auf mich ausüben und mit dem Hintergedanken, ich würde dann vielleicht Kapuziner werden, schickten mich meine Eltern im Herbst 1956 ins Kollegium St. Fidelis in Stans. Hier harrte ich volle acht Jahre aus und schloss das Mittelschulstudium im Sommer 1964 mit der Matura Typus A ab.
Da ich schon von Haus aus mit der Landwirtschaft in engem Kontakt stand, immatrikulierte ich mich im Herbst 1964 an der Abteilung 7 der ETH Zürich. Von einem Examen zum andern getrieben, wie es an der ETH so üblich ist, schloss ich meine Studien im Herbst 1968 als dipl. ing. agr. ETH ab. Seit dem 15. September 1968 arbeite ich nun an der Eidg. Forschungsanstalt für viehwirtschaftliche Produktion in Liebefeld-Bern. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt, heisst es in der Bibel. Daher werde ich mich, wenn keine schwerwiegenden Zwischenfälle auftreten, am 27. Dez. 1969 mit Fräulein Claire Suppiger von Luzern verloben und im nächsten Frühjahr heiraten.
Eine leichte Ahnung vom Verbindungsleben und vom StV. bekam ich schon in der Mittelschule in Stans. 1962 trat ich der Struthonia bei und wurde an der GV 1963 in Mendrisio in den Schw. StV. aufgenommen. Frisch nach Zürich umgesiedelt, hatte ich anfänglich nie die Absicht, der AKV Kyburger beizutreten. Doch als ich dann sah, dass die andern StV.er Sektionen auf dem Platze Zürich nicht mehr den Namen Verbindung, sondern eher Club verdienen, entschied ich doch noch, mich bei den Kyburgern umzusehen. Bald entschloss ich mich, bei ihnen einzutreten. Der Entschluss hat mich nie gereut, denn ich habe manch schöne Stunden bei den Kyburgern verbracht und viele Freunde gefunden. Im Sommersemester 1967 wurde mir gar das Amt des Konseniors anvertraut.
In der militärischen Laufbahn machte ich keine grosse Karriere. 1963 absolvierte ich die Inf. RS 208 in Luzern und zwei Jahre später die Unteroffizierschule. Heute bin ich Mitrailleur-Korporal bzw. Wachtmeister-Aspirant.“
Soweit Colas selbst verfasster Lebenslauf von 1969.

Was ich meinerseits noch ergänzen möchte ist einmal die freudige Überraschung, dass er es dann später tatsächlich vom Wachtmeister-Aspirant zum Wachtmeister geschafft hat.
Was seine berufliche Karriere betrifft, ist festzustellen, dass Cola der Eidg. Forschungsanstalt für viehwirtschaftliche Produktion, die mittlerweile von Liebefeld-Bern nach Posieux umzog, bis zu seiner Pensionierung treu blieb. Als versierter Experte für Fütterungsfragen – insbesondere in der Wiederkäuerfütterung – fanden seine zahlreichen Publikationen, Vorträge und Kurse über die Landesgrenzen hinaus grosse Beachtung.
Familiär: Wie im Lebenslauf erwähnt, fanden Verlobung und Heirat mit Claire Suppiger planmässig statt, was darauf schliessen lässt, dass zuvor offenbar keine schwerwiegenden Zwischenfälle aufgetreten sind. Nachdem der eigene Kindersegen ausblieb, entschieden sich Claire und Cola, Nathalie, Sarah und Raffael in ihre liebende Obhut zu nehmen und zu adoptieren. Inzwischen sind bzw. waren sie glückliche Grosseltern dreier Enkel.
In seiner Freizeit frönte Cola dem Kartenspiel mit Cordaster-Jass-Kameraden, vor allem aber hegte und pflegte er Haus, Garten und Wald mit grosser Hingabe. Aber auch an Kyburger-Anlässen war Cola ein treuer und gerngesehener Teilnehmer. In seiner ruhigen, liebens-würdigen und bescheidenen Art war er mir und manch anderen ein treuer Freund. Als Consemester in der Verbindung und an der ETH standen wir uns besonders nahe, verbrachten viele Stunden am Stamm, an diversen Anlässen, in gemeinsamen Ferien fern und nah der Heimat und auch familiär… als Trauzeugen und Götti.
Nach dem plötzlichen Verdikt „Krebs“ vor 14 Jahren begann eine neue Lebensphase. Mit Bestrahlung und Chemo schaute man zuversichtlich in die Zukunft und war voller Hoffnung, den bösartigen Tumor unterhalb des Ohres zu besiegen. Cola verbrachte danach zwei Alpsommer mit mir als Senn und Heiri Guntli als Zusenn auf der Alp Schwaldis ob Walenstadt und versuchte sich als Koch und Beizer. Seine Kreationen aus der Küche waren beachtlich, allein mit dem Würzen bzw. der Salzzugabe hatte er seine Mühe. Es dauerte einige Zeit bis wir realisierten, dass die Schleimhaut in seinem Mund und damit der Geschmackssinn geschädigt waren. Das war der Anfang einer zermürbenden Tortur, die schliesslich den ganzen Körper betraf und mit dem Ableben vor einer Woche ein erlösendes Ende fand. Die Geduld, die Tapferkeit und die Demut mit der Cola all die schwere Zeit, die langen Jahre durchstand, sind wahrlich grossartig und vorbildlich. Auch Claire, die mit Raffael und ihrer eigenen Gesundheit ernsthafte Probleme hat, wünschen wir trotz allem Mut, Kraft und Zuversicht!
Ein lieber Mensch, ein wahrer Freund ist von uns gegangen… in unsern Herzen wird er weiter leben!

Tapfer und Treu!
Jürg Hoby v/o Stier

Dr. iur. Robert Schürch v/o Rökk

Kyburger, Fryburgia, Suitia

22.6.1925 – 5.7.2019

Robert Schürch v/o Rökk wurde als zweites von vier Kindern am 22. Juni 1925 in Nottwil LU geboren. Sein Vater, auch mit Namen Robert Schürch, betrieb ein florierendes Obstgeschäft und war Geschäftsleiter der landwirtschaftlichen Genossenschaft, seine Mutter Josefine Schürch, geborene Stalder, besorgte den grossen Haushalt und half im Geschäft tatkräftig mit. Seine ältere Schwester Maria war Kind der ersten Frau seines Vaters, die leider kurz nach der Geburt an deren Folgen verschied. Bald schon kamen seine Schwester Josy und mit etwas Abstand sein Bruder Walter zur Welt.

Rökk verbrachte eine unbeschwerte Jugendzeit im damals noch sehr beschaulichen Dorf. In der Primarschule glänzte er mit exzellenten Zeugnissen, so dass der Eintritt in die Kantonsschule eine Selbstverständlichkeit war. Da die Kantonschule Sursee damals nur drei Jahre Gymnasium anbot, wechselte er darauf an das Kollegium Schwyz ins Internat. Auch dort machte er mit glanzvollen Zeugnissen auf sich aufmerksam und schloss mit einer Spitzennote die Matura ab. Die Zeit im Kollegi fiel in die Kriegsjahre und Rökk erzählte immer wieder von der oft gar kargen Kost, aber auch vom guten Zusammenhalt unter den Kollegianern.

1943 wurde Rökk als Bursche in die Suitia aufgenommen, 1944 in den StV. Gemäss seinen Erzählungen genoss er das Verbindungsleben in Schwyz, soweit die engen Regeln und die Kriegsrationierungen dies zuliessen. Seinen Vulgo bezog sich auf den damals berühmten Filmstar Marika Rökk, die er offensichtlich bewunderte. Er lernte dort seine zwei engsten Freunde, Peter Kummer v/o Schnorz und Josef (Chnebi) Suter v/o Plast kennen, mit denen er zeitlebens verbunden war. Nach der Matur stand er vor einem Dilemma: sollte er nun Schnorz nach Fribourg folgen oder sich zu Plast in Zürich gesellen? Die Qualität der Professoren gaben den Ausschlag für Fribourg, das Dilemma liess sich durch zwei Wintersemester in Zürich lösen.

Zusammen mit Schnorz trat er der Fryburgia bei, die Wintersemester in Zürich führten dazu, bei Plast den Kyburgern beizutreten. Rökk musste nun also ach zwei Seelen in seiner Brust vereinen, eine Reform- und eine Blockseele. Auf meine Frage hin, warum er gerade die Wintersemester in Zürich verbrachte, erwiderte er, diese seien kürzer gewesen. Ich nehme an, es gab noch stichhaltigere Gründe. Schön war für mich der Moment, als ich feststellte, dass nach erfolgter Burschifizierung mein frisch eingravierter Name genau auf dem gleichen Strahl aus dem Zentrum lag wie jener meines Vaters.

Rökks Vater stellte ihm immer wieder Fahrzeuge bereit, um an seine Studienorte zu gelangen, damit er am Montag später abreisen musste und am Freitag früher zurück fahren und so im Betrieb helfen konnte. Er avancierte dadurch in Fribourg und auch in Zürich zum immer gefragten Chauffeur, wenn es um Landbummel oder andere Ausfahrten ging. Das ging teilweise zu Lasten der Studienintensität. Wäre der heutige Massstab für Verkehrskontrollen schon damals angewendet worden, wäre wohl mehr Zeit fürs Studieren geblieben.

Ein Hit war aber sein erstes eigenes Auto: Ein Jeep der amerikanischen Armee ab der italienischen Front, geliefert mit Einschussgarben eines Maschinengewehrs in der Haube und danach von Plast kunstvoll bemalt. Mit diesem Gefährt wurden auch schon Damen nach dem Kyburger-Ball von Zürich nach Luzern gefahren, im Winter nota bene. Ältere Semester wissen um die gute Isolation dieser Fahrzeuge.

Nach dem Staatsexamen entschloss sich Rökk, in die AH der Fryburgia einzutreten. Er nahm auch gelegentlich wenn nicht allzu oft an deren Anlässen teil, besonders wenn sie in der Zentralschweiz stattfanden. Als er zur Kenntnis nehmen musste, dass der Schreibende Mitglied der AKV Kyburger wurde, liess er sich überzeugen, in späten Jahren, nämlich 1997 auch der AH der Kyburger beizutreten. Er fand aber nie recht den Zugang zur Altherrenschaft der Kyburger.

Rökk absolvierte sein Praktikum bei Dr. Ehret in Sursee, das Anwaltspatent erhielt er im Jahre 1954. Darauf trat er eine Stelle als Chef der Handelspolizei des Kantons Luzern an. Ab 1965 bis 1975 hatte er das Amt als Verwaltungsgerichtsschreiber des Kantons Luzern inne. Gleichzeitig mit dieser Tätigkeit trat er in die Anwaltspraxisgemeinschaft mit Dr. Josef Egli v/o Joli (Fryburgia) ein, zu welcher sich später auch Dr. Beat Hess v/o Pranger (Alemannia) gesellte. Konfrontiert mit beruflichen und persönlichen Problemen sah er sich in späten Jahren gezwungen, aus der Praxis auszutreten. Er fand eine Stelle bei der Kantonalen Ausgleichskasse, wo er bis zu seiner Pensionierung tätig war.

Seine politische Karriere erfolgte auf Gemeindeebene, so amtete er 20 Jahre lang von 1955 – 1975 als Gemeindepräsident von Nottwil und bekleidete das Ressort des «Armen- und Weisenvogtes», heute als Gesundheit und Soziales bezeichnet. Er engagierte sich auch für die Vereine in Nottwil, so war Rökk Ehrenmitglied der Feldmusik Nottwil und des Jodlerklubs Nottwil, obwohl er bei beiden Vereinen nie aktiv dabei war.

Im Jahre 1960 heiratete Rökk Michela Michelin, welche Tochter eines Rennvelofabrikanten im italienischen Veneto  war. 1962 kam ich und 1968 meine Schwester Helga zur Welt. Wir beiden genossen eine unbekümmerte frühe Jugendzeit im schönen Heim in Nottwil, aber auch wir Kinder bemerkten mit dem Heranwachsen, dass das Eheleben unserer Eltern nicht harmonisch ablief, was dazu führte, dass sie sich schliesslich trennten.

Nach einer schwierigen Zeit fand Rökk neuen Halt und Stabilität in der Partnerschaft  mit Bernadette Grossmann, welche er 1985 heiratete. Sie fanden gemeinsam ein neues Zuhause an der Haldenstrasse in Luzern, wo er bis zu seinem Tod bleiben durfte. Mit Bernadette fand er wieder Sinn und Inhalt im Leben und genoss insbesondere die Zeit nach seiner Pensionierung.

Leider verschlechterte sich Rökks Gesundheitszustand seit geraumer Zeit ständig. Zuerst wurde durch eine heimtückische Nervenkrankheit seine Bewegungsradius immer mehr eingeschränkt, was seine Lebensqualität laufend schmälerte. Später gesellten sich immer mehr Leiden hinzu, die ihn schliesslich an den Rollstuhl und später gar an das Bett fesselten. Während dieser Zeit pflegte und behütete ihn auf aufopferndste Weise seine Frau und erfüllte so seinen Wunsch, nicht in ein Pflegeheim eintreten zu müssen.

Rökks Hobbies waren Autos. Schon vor Erlangung entsprechender Ausweise fuhr er mit Autos und gar mit Lastwagen umher, was der Dorfpolizist angesichts des Arbeitskräftemangels in den Kriegsjahren einfach ignorierte. Seine grosse Liebe galt der Marke Porsche. Schon bald nach dem Anwaltsexamen erstand er sich ein erstes, gebrauchtes Modell und blieb seiner Leidenschaft bis zuletzt treu. Im Porsche-Klub Schweiz fuhr er immer wieder mit Erfolg Rennen, so dass eine Reihe von Zinnpokalen das Klavier zu Hause schmückten.

Da sind wir nun auch beim zweiten Hobby angelangt: Er spielte liebend gerne Klavier, mit Vorliebe Chopin. Leider fehlte ihm die Zeit, seine Kunst zu vertiefen. In Erinnerung blieb auch die «Gmeindsrat-Musik», ein Trio aus lauter Nottwiler Gemeinderäten mit Handorgel, Klarinette und Rökk am Klavier.

Rökk war in einer Gesellschaft nicht der Laute, er war eher stiller und bescheiden, schon fast etwas scheu. Er konnte aber, die geeignete Gesprächspause abwartend, seine träfen Kommentare einstreuen und so Gelächter ernten oder vorlaute Redner zum Schweigen bringen.

Rökk, nun hat sich Dein Lebenskreis geschlossen. Ein langes und reiches Leben hat sein Ende gefunden und damit aber auch ein langes Leiden. Der Schmerz des Verlustes wird getröstet vom Gedanken, dass Du nun nicht mehr leiden musst. Requiescas in pace!

Dein Sohn, Robert Schürch v/o Tresor

Prof. Dr. sc. techn. ETH ALFRED BÜCHEL v/o SPECHT

Kyburger, Corona Sangallensis

18.2.1926 – 1.6.2019

Es ist mir eine Ehre, vermischt mit tiefer Trauer, ein paar Worte über unseren Lebensfreund Alfred Büchel v/o Specht sagen zu dürfen, der am 1. Juni dieses Jahres für immer von uns gegangen ist. Ehre, weil ich über ein reiches Leben berichten kann, und weil ich persönlich im Rahmen dieses Trauerkommers in studentischer Manier vom Verstorbenen Abschied nehmen darf; Trauer, weil ich nie mehr ein Bier – oder sollte ich vielmehr sagen „ein grosses Mineralwasser“ – mit Specht trinken kann, um hierbei über Gott und die Welt zu diskutieren. Trauer über den Verlust eines wahren Kyburger-Lebensfreundes.

Gestatten Sie mir, dass ich diese kurze Würdigung in drei Teilen halte:

  1. Specht als Couleurstudent und Kyburger

Lassen wir zuerst Specht selber zu Wort kommen, nämlich durch seinen Eintrag ins ‚Goldene Buch‘ anno 1945:

„Ich wurde geboren am 18. Februar 1926 in Gossau SG. Mein Vater übt das ehrbare Handwerk eines Hafnermeisters aus. Ich, als einziger Sohn, war bestimmt, einst in seine Fusstapfen zu treten. Das Schicksal aber hat es anders beschieden.

Nachdem ich 6 Jahre Primarschule und 3 Jahre Realschule hinter mir hatte, beschloss der Familienrat unter Assistenz meines Onkels, mich an die Kantonsschule St.Gallen zu schicken. Ich trat dort in die 2. Klasse der Oberrealschule ein. Nach 3 ½ Jahren verliess ich sie mit dem Maturazeugnis in der Tasche, und zog an die Gestade der Limmat, um hier das Rüstzeug zum Maschineningenieur zu erwerben. Auf diesem Weg habe ich diesen Herbst einen Meilenstein gesetzt: Das 1. Vordiplom.

Dieses Dasein als Studierender findet seit dem Sommer 1943 seine Parallele in meiner Laufbahn als Student. Ich trat damals in die Schw.St.V.-Verbindung „Corona Sangallensis“ ein. Durch sie lernte ich schon vor der Umsiedlung nach Zürich die akad. Verbindung „Kyburger“ kennen und schätzen. So legte ich dem Eröffnungs-B.C. des WS 1944/45 mein Aufnahmegesuch vor, das dann auch bewilligt wurde. Seither habe ich 2 ½ Fuxensemester verlebt und hoffe nun die dauernde Mitgliedschaft der Ritter der „Kyburger“ zu erwerben.“

Wie wir wissen und zum Glück für die Kyburger ist Specht’s Wunsch in Erfüllung gegangen.

Während seiner Aktivzeit bekleidete Specht das Amt eines Fuxmajors. Als Leibbursch wird Blöchlinger v/o Jenatsch genannt. Seine Leibfüchse waren Wyrsch v/o Strom und Marogg v/o Redox.

Nach dem Übertritt in die Altherrenschaft engagierte sich Specht  für weit mehr als 10 Jahre im Altherren-Vorstand. So amtete Specht im Jahre 1956 als Aktuar und ab 1957 als Verbindungsdelegierter und zwar so erfolgreich, dass im Jahre 1958 20 Neueintritte zu verzeichnen waren, gebührlich durch ein Specht-Fass gefeiert. Auch war er mehrmals in die Organisation verschiedener Kyburgeranlässe, ich denke da an die Altherrenfahrten, eingebunden.

  1. Beruflicher Werdegang

Specht hat seine eindrückliche Karriere an der Eidgenössischen Technologischen Hochschule, ETHZ, begonnen und ist dieser Hochschule bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1991 treu geblieben.

Unterbrochen durch einige Praktika studierte Specht erfolgreich Maschinenbau  und erlangte im Jahre 1949 den Titel eines dipl. Masch.Ing. ETH.

Nach einem zweijährigen Studienaufenthalt in England  begann Specht seine Karriere am 1928 gegründeten Betriebswirtschaftlichen Institut (BWI) der ETH. Specht arbeitete dort als Assistent und verfasste eine Dissertation. Nach Beendigung dieser Arbeit wurde ihm 1968 der Titel eines Dr. sc. tech. ETH zuerkannt.

Kurz darauf wählte der Bundesrat Specht zum Assistenzprofessor für technische Betriebswissenschaften an der ETHZ und beförderte ihn 1973 zum ausserordentlichen Professor. Nach Aufteilung des BWI auf vier Professuren wurde Specht 1982 vom Bundesrat als ordentlicher Professor berufen und betreute fortan das Institut für Methodik sowie Planung und Informationssysteme.

In seiner Forschung befasste sich Specht insbesondere mit den Gebieten der Produktionsplanung und Produktionssteuerung, einschliesslich des Einsatzes von Datenverarbeitung und System Engineering. Viele Publikation aus dieser Zeit zeugen von seiner bedeutenden wissenschaftlichen Arbeit.

Anlässlich der Berufung zum Ordinarius wurde in der Kyburgergemeinschaft ein grosser Kommers gefeiert.

  1. Specht als Lebensfreund und Mensch

 Aufgrund meiner eigenen Erfahrung und bestätigt durch diverse Kyburger kann man Specht mit den Worten eines seiner Jahrgänger im besten Sinne als „seriös“ bezeichnen. Aber auch „besonders“ trifft auf ihn zu. „Besonders“, weil ich Specht persönlich kannte und doch nicht kannte.

Mit den 16 (sic !) Kyburgern mit Jahrgang 1926 – welche alle zusammen übrigens keine einzige Ehe-Scheidung mitmachen mussten – hatte Specht während seines ganzen Lebens engen Kontakt, nahm an den wiederkehrenden Treffen teil und pflegte stets die Lebensfreundschaft. Eine besondere Bedeutung hatte für ihn der ausgiebigen Kontakt zu seinen Lebensfreunden innerhalb des Stamm Leise zu Luzern. Als Zeichen seiner innigen Verbundenheit mit den Kyburgern darf hier erwähnt werden, dass seinem Wunsch entsprechend statt Blumen der Stiftung „Studentenwohnung AKV Kyburger“ gedacht wird.

Obwohl niemand in der Kyburgerschar immer so genau wusste, was Specht gerade tat oder wo er sich aufhielt, kehrte er immer wieder zu den Kyburgern zurück, sei es zu den offiziellen Anlässen oder zum gemütlichen Mittagessen in den Zeughauskeller. Leider wurden seine Besuche in den letzten Jahren weniger, hauptsächlich dem Verlust der Hörfähigkeit geschuldet. War er jedoch anwesend, konnte man mit Specht über beliebige Themen diskutieren, besonders aber über fremde Länder, die er ausgiebig besuchte und bereiste. Auch hierzulande war Specht viel unterwegs, zum Beispiel habe ich ihn einmal zufällig in Basel getroffen, beim Besuch der MUBA.

Viele Jahre war Specht übrigens im Hotel Waldhaus in Sils-Maria in den Ferien. Wer einmal dort  zu Gast war, versteht nun den exquisiten Geschmack unseres Lebensfreundes.

Nebst seinen Kulturaktivitäten kannte man Specht als Mitglied der legendären Kyburger-Faustballmannschaft. Deshalb kann Specht auch zu den wenigen Kyburger-Sportgrössen gezählt werden.

In den letzten Lebensjahren wurde es still um Specht, lebte er doch sehr zurückgezogen; die letzten Lebensmonate verbrachte er im Tertianum Segeten in Zürich Witikon.

Ich verabschiede mich von einem besonderen, vielseitig interessierten und anständigen Menschen, den alle respektiert und geliebt haben.

Dixi

Christof Hildenbrand v/o Xenon

Dr. med. Karl Neff v/o  Gipfl

Kyburger, Suitia

31.01.1927 – 11.02.2019

Nun hat kurz nach Malz in den ersten Februartagen nach vielen anderen auch Gipfl unseren Freundeskreis verlassen. Als ich nach einem längeren Auslandaufenthalt den Anschluss an den Kyburger Altherrenstamm in Basel fand, waren Gipfl und Malz zusammen mit dem Neuromanen Pinsel eine Art Dreifaltigkeit als Symbol für den Stammheiligen. Immer präsent, bereit zu reden, zu schweigen und Gemeinsamkeit beim Bier zu pflegen.Dass Gipfl beinahe nur am Basler Stamm bekannt war – was ich von ihm weiss – ist in seiner Vita begründet ist. Diese will ich aus meiner begrenzten Sicht kurz beschreiben. Der Eintrag im Goldenen Buch ist kurz und prägnant.

 

Geboren wurde Gipfl am 31. Januar 1927 in Appenzell. Im Jahre 1931 kaufte sein Vater die Bäckerei und Konditorei zum Rössli in Gonten, wo er auch die Primarschule besuchte. Im Herbst 1940 trat er als Externer ins Kollegi Appenzell ein, aus dem er „aus sehr zweifelhaften Gründen entlassen wurde.“ Auch die Stiftsschule in Einsiedeln sollte nicht der Ort werden, wo er die Matura erreichte. Ein „consilium abeundi“ war der Grund für den Wechsel nach Schwyz, wo er das Kollegi mit der Matura Typ A verliess. In Schwyz trat er 1945 der Suitia, bei und wurde auch Mitglied des Schw. St. V.

 

Im Herbst 1947 begann Gipfl das Medizinstudium in Zürich. Da trat er der akademischen Kommentverbindung Kyburger bei und wurde im Herbst 1948 burschifiziert. Mit Jalon als Leibburschen scharte er ein stattliche Anzahl Leibfuxen um sich (Lord, Rotz, Raudi und Busch), was vermuten lässt, dass er ein gern gesehenes Mitglied der Verbindung war. Er bekleidete die Chargen des FM und des FK. Nach bestandenem Staatsexamen 1954 trat er in den Altherrenverband der Kyburger über. Bekannte Stationen seiner beruflichen Laufbahn sind 2 Assistenzjahre in Altdorf. Anschliessend bekleidete er die Stelle als Kreisarzt der eidg. Mil.Vers. St. Gallen. Im Militär wurde er 1956 zum Leutnant der Sanität befördert.

Wenn jemand beim Lesen dieser Zeilen auf die Idee gekommen ist, den Grund von Gipfls Vulgo durchschaut zu haben, muss er sich noch folgende kleine Episode vor Augen halten. Als Arzt einem Gebirgskurs zugeteilt, stand als krönender Abschluss die Besteigung des Piz Bernina auf dem Programm. Auf halber Höhe erlitt einer der Soldaten einen Schwächeanfall, wollte aber durchaus nicht wahrhaben, dass er den Aufstieg nicht schaffen werde. Mit dezidierten Worten und viel Überzeugungskraft konnte ihm Gipfl klarmachen, dass er entweder zurückbleibe oder niemand den Gipfel erreichen werde.

 

Die letzte Zeile im Goldenen Buch besagt: „Heirat am“. Dass der Eintrag unvollendet blieb, hat vielleicht damit zu tun, dass der Ehe nur kurzes Glück beschieden war. Gipfl, mit seinem untrüglichen Gefühl, was damals „ehrenvoll“ war, kam zum Schluss, dass man als Geschiedener schlecht zur Wertehaltung der Kyburger und des Schw. St. V. passte. Er zog sich über all die Jahre zurück, bis er im Jahr 1975 bei der damaligen Sandoz AG in Basel als Vizedirektor in der klinischen Entwicklung seine letzte berufliche Passion fand. Ebenfalls fand er da seine Frau Rita, die ihm auch drei Halbwüchsige in die Ehe einbrachte, zu denen sich mit der Zeit ein gutes Verhältnis entwickelte.

 

Als regelmässiger Stammbesucher am Basler Regionalstamm liess er sich dann auch gelegentlich zur Teilnahme an Kyburgeranlässen in Zürich bewegen. Doch letztlich blieb seine Kyburgerheimat auf Basel beschränkt, wo wir ihn als gutinformierten Zeitgenossen mit klaren Meinungen bei den Stammtischgesprächen schätzten. Gesundheitliche Problem erschwerten ihm zuletzt die Teilnahme an unseren Anlässen sehr. Umsomehr schätzte er es, wenn etwa Manko ihn am Arm nahm und nach Basel und wieder zurück nach Aesch, seinem letzten Wohnort, brachte.

Im kleinen Kreis haben wir von einem guten Lebensfreund Abschied genommen. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten.

Bernhard Zweifel v/o Phag

Dipl. Bauing. ETH/SIA/USIC Peter Bloetzer v/o Presto

Kyburger

16.9.1933 – 11.10.2018

Mit dem Tod von Bloetzer Peter v/o Presto verlässt uns ein weiterer Kyburger aus dem Wallis. Sein Hinschied kam trotz zunehmender Beschwerden überraschend.

Presto stand schon seit langen Jahren immer in der Öffentlichkeit. Einerseits in Politik und anderseits im Militär. Seine politische Laufbahn begann 1969 im Gemeinderat von Visp und führte ihn über diverse Stufen bis zum Vizepräsidium der Schweizer Delegation im Europarat. Militärisch beendete er seine Laufbahn zu einer Zeit, als es noch Regimenter in der Schweizer Armee gab. Er war Kommandant eines dieser Regimenter, des Geb Inf Rgt 18. Überall hinterliess er Spuren, welche schon im Lebenslauf oder in den Medien gewürdigt wurden.

Was können wir aber von Presto, dem Studenten und Verbindungsmenschen sagen und welche Episoden säumten seinen Weg; Episoden, welche nicht in offiziellen Lebensläufen auftauchen?

Als Presto sein Diplom als Bauingenieur erhalten hat, hatte der Chronist kaum das Licht der Welt erblickt.  So kommt es, dass ich auf Aussagen von Prestos Weggefährten angewiesen bin. Diesen – allen voran Neff v/o Possli – danke ich ganz herzlich für die Schilderungen. Ich bin auf mündliche Quellen angewiesen, da Presto es nicht für nötig erachtete, selber einige markante Begebenheiten aus seiner Aktivenzeit schriftlich festzuhalten und im goldenen Buch abzulegen.

Aus meinen wenigen persönlichen Begegnungen mit Presto sind mir zwei Begebenheiten in Erinnerung.

Einmal trafen wir uns, als wir, eine kleine Gruppe junger Kyburger hier im Wallis einen Stamm aufziehen wollten. Presto setzte sich mit der Idee durch, sich nicht allzu straff binden zu müssen und diese Treffen in lockererem Rahmen durchzuführen. Da habe ich einerseits seinen Hang zur Individualität und Flexibilität und anderseits seine klare Positionierung und Fokussierung auf das Machbare kennen gelernt. Eben ganz der Politiker.

Eine weitere Begegnung mit Presto war eine Einladung als Gast bei der Visper Schützenzunft. Da spielte er einerseits seine Rolle als Gastgeber und zeigte sich anderseits als profunder Kenner des historischen Visp, wo er in der Nähe des Zunfthauses dieser Schützenzunft aufgewachsen ist. Wenn er von den Brotringen erzählte, welche sein Vater, unser Altherr Surr von diesen Zunftanlässen heim brachte, kam auch der nostalgische und heimatverbundene Presto zum Vorschein.

Dass er sehr individuell und flexibel agieren konnte, habe ich von einem Dienstkollegen von Presto erfahren. Wie erwähnt, tat Presto Dienst zu einer Zeit, in der auch grosse Übungen zum alljährlichen Bild der Schweizer Armee gehörten. Eine dieser Übungen führte Presto ins Haslital. Der Feind lauerte überall und der Fortbestand der eigenen Truppe war von Informationen über eben diesen Feind abhängig. Die Informationen fehlten. Presto wusste Rat. Er schnappte sich ein Motorrad und durchbrach sämtliche feindlichen Linien – und wurde bei dieser Übung auch festgenommen. Wahrscheinlich war er aber inkognito unterwegs. Auf alle Fälle liess man ihn bald wieder frei und er konnte mit den gewonnenen Informationen über die feindlichen Stellungen die eigenen Truppen vor dem Untergang retten.

Auch wenn diese Episode dramatischer klingt als sie wahrscheinlich war, zeigt sie uns doch einen Wesenszug des rührigen Offiziers. Er war lösungsorientiert, unerschrocken und eben flexibel. Wahrscheinlich in dem Moment auch etwas kaltblütig und verwegen. Da hat sich aber der Anführer und Offizier Presto gezeigt.

Wenn seine Freunde aus der Aktivenzeit über Presto sprechen, decken sich die Beschreibungen. Er war der gutaussehende, ruhige, zuverlässige, beherrschte und zurückhaltende gute Kamerad. Von Exzessen ist nichts bekannt. Das würde auch nicht zum Verstorbenen passen.

Presto war auch sportlich und zugleich ehrgeizig. Die Kombination dieser Eigenschaften machten ihn zum idealen Mitglied des Walliser Trios aus der damaligen Aktivenzeit. Zusammen mit Gemmi und Dom nahm er zum Beispiel an den Skimeisterschaften des Schw-StV teil. Wer die Idee hatte, die damals in Mode stehenden weiten Skihosen mit Bändern in rosa-weiss-grün der besseren Aerodynamik wegen zusammenzubinden, weiss ich nicht. Sie waren ja alles Ingenieure und jeder hätte als Ideengeber in Frage kommen können. Auf alle Fälle ging das Trio siegreich aus dem Wettbewerb hervor – und das ist nun hier das Wichtigste.

An seine Zeit als Bauingenieur erinnern viele Bauwerke im ganzen Land. So zum Beispiel auch das Kultur- und Kongresszentrum La Poste, wo wir uns gerade für den Trauerkommers befinden. Da zeigte sich Presto, der Macher.

Vieles bleibt im Dunkeln. Viel wäre sicher noch zu erzählen. Doch Presto hat sich darob sehr bedeckt gehalten. Was aber klar ist: Alle Informanten – und das deckt sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen – schilderten Presto als nobel, vorbildlich und sehr überlegt.

Das hat sich auch in den letzten Jahren in seinem täglichen Ablauf gezeigt. Stets war er pikfein gekleidet, eben der noble Grand-Seigneur in «seinem» Visp unterwegs. Auch wenn seine körperlichen und mentalen Kräfte altersbedingt nachliessen – er war stilvoll und seiner Grösse wegen auch nicht zu übersehen.

Mit Presto verlässt uns nun ein weiterer Kyburger aus dem Land am Rhonestrand. Wir wollen ihm ein ehrendes Andenken bewahren und wünschen ihm nun den Frieden, in dem er ruhen möge.

Martin Henzen v/o Fendant

Dipl. Ing. chem. ETH, Patentanwalt Kurt Schmid v/o Malz

Kyburger, Semper Fidelis

21.8.1918 – 4.10.2018

Am 4. Oktober 2018, kurz nach seinem 100. Geburtstag, ist Kurt Schmid v/ Malz, der bis dahin älteste Kyburger, gestorben. Wir haben in ihm einen liebenswürdigen, kultivierten Freund verloren.
Kurt Schmid wurde in Luzern geboren, wuchs dort auf und besuchte die Schulen. Er trat der Semper Fidelis bei und wurde in Rapperswil in den StV. aufgenommen. Als 19Jähriger bestand er 1937 die Maturität Typus C. Im gleichen Jahr schrieb er sich an der Abteilung für Chemie der ETH ein. Während der Kriegsjahre wechselte er für einige Semester an die Universität Zürich und studierte dort Nationalökonomie, kehrte dann aber an die ETH zurück und schloss im Sommer 1945 seine Studien mit dem Diplom als Ingenieur-Chemiker ab. Es war für ihn naheliegend, sich in Basel, dem Mekka der Schweizer Chemie, um eine Stelle zu bewerben; diese fand er, auch dank seinem Interesse an juristischen und ökonomischen Fragen, in der Patentabteilung der J.R. Geigy AG. Während seiner ganzen fünfunddreissigjährigen beruflichen Tätigkeit blieb er der Firma und ihrer Patentabteilung treu und leitete In den letzten Berufsjahren deren Stabsgruppe.
1951 verheiratete sich Malz mit Olga Dorita Behr; den beiden wurden ein Sohn und eine Tochter geschenkt.
Malz war, wie schon gesagt, ein kultivierter Mensch. Schon in jungen Jahren packte ihn die Liebe zu den Büchern, er war ein Büchernarr, ein Bibliophiler. Später interessierte er sich für die Archäologie, und es ist kein Zufall, dass ihn mehrere seiner Reisen in den Nahen Osten führten, das war glücklicherweise noch in der Zeit vor den Irak-Kriegen.
Gleich zu Beginn seines Studiums trat Malz auch der AKV Kyburger bei, «weil sie die Mitte hält zwischen Turicia und Welfen und mir ihre Mitglieder sympathisch waren», wie Malz im Goldenen Buch schrieb. Mit ihm trat ein weiterer Luzerner ein, Anton Schmid, und so wurden die beiden Luzerner Schmid kurzerhand auf die Namen «Bio» und «Malz» getauft. Malz bekleidete in der Folge die Ämter des Kantzlers und mehrmals dasjenige des Schatzmeysters. Er war schon damals von eher ruhiger, zurückhaltender, aber zugänglicher Art.
Die Treue zu den Kyburgern war gross, besuchte er doch bis ins hohe Alter viele offizielle Verbindungsanlässe. Als ehemaliger Luzerner war er selbst an den berühmten Semper Neujahrskommersen anzutreffen. Auch am Basler Stamm der Kyburger und Neu-Romanen, heute im Restaurant Aeschenplatz und früher in der Börse, fehlte er nur selten, hörte dabei interessiert zu und meldete sich mit Voten nur, wenn er’s für wirklich nötig hielt. Die traditionellen Spargel- und Wildessen in entsprechend ausgewiesenen Gaststätten im Dreiländereck liebte er besonders. Malz pflegte echte Lebensfreundschaft.

Er ruhe im Frieden.
Erich Haag v/o Gral, Franz Koch v/o Naso