Dr. med. Peter Johann Schneller v/o Prope

Kyburger, Neu-Romania, Rotacher

29.4.1943 – 27.7.2019

Peter kam am 29. April 1943 in Rheinau, Kanton Zürich, als viertes Kind von Otto und Klara Schneller (-Frei) zur Welt. Zusammen mit seinen vier Geschwistern wuchs er in einem Posthalter-Haushalt auf.

Peters Kindheit ist unweigerlich mit dem Bauern- und Landgasthof zum Buck in Rheinau verbunden. Diesem Umstand sind die vorschulischen Kenntnisse – auf elf zählen zu können – geschuldet, da es auf dem Buck elf Hühner zu versorgen galt. Direkt, ohne Kindergarten – was Peter zeitlebens für eine zu frühe Disziplinierung des unbeschwerten Kind-Seins hielt – besuchte er die Primarschule in Rheinau.

Danach erfolgte der Übertritt in das Kapuziner-Internat des Gymnasiums St. Antonius in Appenzell, wo Peter 1963 die Maturitätsprüfung ablegte. Die für ihn typischen Charakterzüge der Geradlinigkeit und Selbstbestimmtheit traten hier schon zu Tage. Auf Nachfrage seiner Mutter, warum er von Appenzell nicht nach Hause schreibe, stellte sich heraus, dass er sich weigerte, den Patres die Briefe zur Zensur abzugeben und folglich keine Briefe schrieb.

In diese Zeit fallen Peters Interesse für Ski- und Langlauf sowie Radtouren durch die Schweiz mit Zelt und dem Velo der Marke Tour de Suisse. Der Eintritt in die Verbindung – zu den Rotachern – ermöglichte es, dem strengen Internats-Regime zumindest zeitweise zu entkommen. Später war Peter auch bei den Neuromanen und Kyburgern.

Mit der medizinischen Untersuchung für den Fliegervorkurs endete der Traum vom Militärpiloten. Die Faszination vom Fliegen blieb, wobei es aber nur noch um ferngesteuerte Modelle ging.

Es folgte das Studium der Humanmedizin in Fribourg mit der Ablegung des Staatsexamens in Zürich 1971. Seine medizinische Ausbildung vollendete er als Assistenzarzt in Schaffhausen und Ilanz, sowie durch diverse Praxisvertretungen.

In Schaffhausen lernte er Christa Herth kennen, die wie er im dortigen Spital als Operationsschwester arbeitete. Die beiden verliebten sich und heirateten am 19. Juni 1971 in der Klosterkirche Rheinau. Aus der Ehe entsprossen vier Söhne.

Nach dem Spital Ilanz verwirklichte Peter mit tatkräftiger Unterstützung von Gattin Christa seinen Traum der Selbständigkeit in Laax, mitsamt Haus und Schieferdach. Die Praxiseröffnung erfolgte 1976. Peter und Christa haben diese mit viel Einsatz und harter Arbeit aufgebaut. Prope engagierte sich auch im Samariterverein Laax und von 1980-1992 im Vorstand des Regionalspitals Ilanz.

Als Kinder hätten wir uns vielleicht mehr Zeit vom Vater gewünscht, doch Arzt zu sein war für Peter nicht einfach ein Beruf, sondern im wahrsten Sinn des Wortes ‚Berufung‘, ein innerer Drang, für seine Patienten da zu sein, zu verstehen, zu helfen. Er war nie für halbe Sachen zu haben. Was man macht, macht man richtig oder lässt es sein. Diese Selbstlosigkeit mit seinem Energiehaushalt umzugehen, hat über die Jahre viel Kraft und Substanz gekostet. Die Appenzeller-Musik sorgte für Momente der Entspannung und liess Peter auch gerne das Tanzbein schwingen.

In unvergesslicher Erinnerung bleiben uns unsere gemeinsamen Ferien. Hier trat kam Peters Abenteuer- und Unternehmungslust zum Vorschein. Er hat uns neue Welten eröffnet und bleibende Erinnerungen geschaffen.

Die Praxis nach fast 30 Jahren loszulassen, fiel Peter nicht einfach. Die von ihm oft erwähnte Frühpensionierung setzte er zu unserer Überraschung aber um. Mit 62 Jahren hörte er auf und ging 2005 in Pension. Er brauchte eine Weile, sich an die Entschleunigung zu gewöhnen. Es ergaben sich aber einige sehr schöne und erfüllte Jahre. Die Betreuung der beiden Enkel, Eric und Olivia, sorgte für Abwechslung und viel Sonnenschein.

Was wir ahnten und fürchteten, er selber wahrscheinlich schon länger für sich wusste, wurde 2016 mit der Diagnose Demenz zur traurigen Gewissheit. Es folgten leidvolle Jahre, in denen Peter uns Schritt für Schritt entschwand, ohne dass wir ihn hätten festhalten können. Am meisten schmerzte es, Peter leiden zu sehen; dann, wenn er selber realisieren musste, was nicht mehr geht, die fortschreitende Hilflosigkeit, Angst und Fremdbestimmtheit. Die Krankheit machte ihn zum Gegenteil von dem, was er immer war, nämlich eigenständig, entscheidungsfreudig und voller Tatendrang. Du hinterlässt eine nicht zu füllende Lücke in unserem leben. Der 27. Juli 2019 war ein Tag der Erlösung und Erfüllung deines in einem lichten Moment geäusserten Todeswunsches. Wir sind dir für alles dankbar und werden dich schmerzlich vermissen und nicht vergessen.

Auszug aus dem Lebenslauf, verfasst von seinem ältesten Sohn Christoph Schneller