Prof. Dr. sc. techn. ETH ALFRED BÜCHEL v/o SPECHT

Kyburger, Corona Sangallensis

18.2.1926 – 1.6.2019

Es ist mir eine Ehre, vermischt mit tiefer Trauer, ein paar Worte über unseren Lebensfreund Alfred Büchel v/o Specht sagen zu dürfen, der am 1. Juni dieses Jahres für immer von uns gegangen ist. Ehre, weil ich über ein reiches Leben berichten kann, und weil ich persönlich im Rahmen dieses Trauerkommers in studentischer Manier vom Verstorbenen Abschied nehmen darf; Trauer, weil ich nie mehr ein Bier – oder sollte ich vielmehr sagen „ein grosses Mineralwasser“ – mit Specht trinken kann, um hierbei über Gott und die Welt zu diskutieren. Trauer über den Verlust eines wahren Kyburger-Lebensfreundes.

Gestatten Sie mir, dass ich diese kurze Würdigung in drei Teilen halte:

  1. Specht als Couleurstudent und Kyburger

Lassen wir zuerst Specht selber zu Wort kommen, nämlich durch seinen Eintrag ins ‚Goldene Buch‘ anno 1945:

„Ich wurde geboren am 18. Februar 1926 in Gossau SG. Mein Vater übt das ehrbare Handwerk eines Hafnermeisters aus. Ich, als einziger Sohn, war bestimmt, einst in seine Fusstapfen zu treten. Das Schicksal aber hat es anders beschieden.

Nachdem ich 6 Jahre Primarschule und 3 Jahre Realschule hinter mir hatte, beschloss der Familienrat unter Assistenz meines Onkels, mich an die Kantonsschule St.Gallen zu schicken. Ich trat dort in die 2. Klasse der Oberrealschule ein. Nach 3 ½ Jahren verliess ich sie mit dem Maturazeugnis in der Tasche, und zog an die Gestade der Limmat, um hier das Rüstzeug zum Maschineningenieur zu erwerben. Auf diesem Weg habe ich diesen Herbst einen Meilenstein gesetzt: Das 1. Vordiplom.

Dieses Dasein als Studierender findet seit dem Sommer 1943 seine Parallele in meiner Laufbahn als Student. Ich trat damals in die Schw.St.V.-Verbindung „Corona Sangallensis“ ein. Durch sie lernte ich schon vor der Umsiedlung nach Zürich die akad. Verbindung „Kyburger“ kennen und schätzen. So legte ich dem Eröffnungs-B.C. des WS 1944/45 mein Aufnahmegesuch vor, das dann auch bewilligt wurde. Seither habe ich 2 ½ Fuxensemester verlebt und hoffe nun die dauernde Mitgliedschaft der Ritter der „Kyburger“ zu erwerben.“

Wie wir wissen und zum Glück für die Kyburger ist Specht’s Wunsch in Erfüllung gegangen.

Während seiner Aktivzeit bekleidete Specht das Amt eines Fuxmajors. Als Leibbursch wird Blöchlinger v/o Jenatsch genannt. Seine Leibfüchse waren Wyrsch v/o Strom und Marogg v/o Redox.

Nach dem Übertritt in die Altherrenschaft engagierte sich Specht  für weit mehr als 10 Jahre im Altherren-Vorstand. So amtete Specht im Jahre 1956 als Aktuar und ab 1957 als Verbindungsdelegierter und zwar so erfolgreich, dass im Jahre 1958 20 Neueintritte zu verzeichnen waren, gebührlich durch ein Specht-Fass gefeiert. Auch war er mehrmals in die Organisation verschiedener Kyburgeranlässe, ich denke da an die Altherrenfahrten, eingebunden.

  1. Beruflicher Werdegang

Specht hat seine eindrückliche Karriere an der Eidgenössischen Technologischen Hochschule, ETHZ, begonnen und ist dieser Hochschule bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1991 treu geblieben.

Unterbrochen durch einige Praktika studierte Specht erfolgreich Maschinenbau  und erlangte im Jahre 1949 den Titel eines dipl. Masch.Ing. ETH.

Nach einem zweijährigen Studienaufenthalt in England  begann Specht seine Karriere am 1928 gegründeten Betriebswirtschaftlichen Institut (BWI) der ETH. Specht arbeitete dort als Assistent und verfasste eine Dissertation. Nach Beendigung dieser Arbeit wurde ihm 1968 der Titel eines Dr. sc. tech. ETH zuerkannt.

Kurz darauf wählte der Bundesrat Specht zum Assistenzprofessor für technische Betriebswissenschaften an der ETHZ und beförderte ihn 1973 zum ausserordentlichen Professor. Nach Aufteilung des BWI auf vier Professuren wurde Specht 1982 vom Bundesrat als ordentlicher Professor berufen und betreute fortan das Institut für Methodik sowie Planung und Informationssysteme.

In seiner Forschung befasste sich Specht insbesondere mit den Gebieten der Produktionsplanung und Produktionssteuerung, einschliesslich des Einsatzes von Datenverarbeitung und System Engineering. Viele Publikation aus dieser Zeit zeugen von seiner bedeutenden wissenschaftlichen Arbeit.

Anlässlich der Berufung zum Ordinarius wurde in der Kyburgergemeinschaft ein grosser Kommers gefeiert.

  1. Specht als Lebensfreund und Mensch

 Aufgrund meiner eigenen Erfahrung und bestätigt durch diverse Kyburger kann man Specht mit den Worten eines seiner Jahrgänger im besten Sinne als „seriös“ bezeichnen. Aber auch „besonders“ trifft auf ihn zu. „Besonders“, weil ich Specht persönlich kannte und doch nicht kannte.

Mit den 16 (sic !) Kyburgern mit Jahrgang 1926 – welche alle zusammen übrigens keine einzige Ehe-Scheidung mitmachen mussten – hatte Specht während seines ganzen Lebens engen Kontakt, nahm an den wiederkehrenden Treffen teil und pflegte stets die Lebensfreundschaft. Eine besondere Bedeutung hatte für ihn der ausgiebigen Kontakt zu seinen Lebensfreunden innerhalb des Stamm Leise zu Luzern. Als Zeichen seiner innigen Verbundenheit mit den Kyburgern darf hier erwähnt werden, dass seinem Wunsch entsprechend statt Blumen der Stiftung „Studentenwohnung AKV Kyburger“ gedacht wird.

Obwohl niemand in der Kyburgerschar immer so genau wusste, was Specht gerade tat oder wo er sich aufhielt, kehrte er immer wieder zu den Kyburgern zurück, sei es zu den offiziellen Anlässen oder zum gemütlichen Mittagessen in den Zeughauskeller. Leider wurden seine Besuche in den letzten Jahren weniger, hauptsächlich dem Verlust der Hörfähigkeit geschuldet. War er jedoch anwesend, konnte man mit Specht über beliebige Themen diskutieren, besonders aber über fremde Länder, die er ausgiebig besuchte und bereiste. Auch hierzulande war Specht viel unterwegs, zum Beispiel habe ich ihn einmal zufällig in Basel getroffen, beim Besuch der MUBA.

Viele Jahre war Specht übrigens im Hotel Waldhaus in Sils-Maria in den Ferien. Wer einmal dort  zu Gast war, versteht nun den exquisiten Geschmack unseres Lebensfreundes.

Nebst seinen Kulturaktivitäten kannte man Specht als Mitglied der legendären Kyburger-Faustballmannschaft. Deshalb kann Specht auch zu den wenigen Kyburger-Sportgrössen gezählt werden.

In den letzten Lebensjahren wurde es still um Specht, lebte er doch sehr zurückgezogen; die letzten Lebensmonate verbrachte er im Tertianum Segeten in Zürich Witikon.

Ich verabschiede mich von einem besonderen, vielseitig interessierten und anständigen Menschen, den alle respektiert und geliebt haben.

Dixi

Christof Hildenbrand v/o Xenon