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Wilfried Landwehr v/o Index

Kyburger, Suitia

8.6.1926 – 7.3.2016

 

Wir blicken mit Wilfried v/o Index und seiner Familie weit in die Vergangenheit zurück – Wilfried Landwehr wurde am 8.Juni 1926 als neuntes Kind geboren. 10 sollten es insgesamt werden. Sein Vater kam aus Süddeutschland, die Mutter aus Rüti. Der 1.Weltkrieg war für das junge Paar ein Einschnitt: Vater Josef musste nämlich dem deutschen Kaiser dienen. Rührend sind die Postkarten, die sich das Paar in jener Zeit schrieb, immer mit einer Foto versehen. Fotopostkarten waren nämlich in jener Zeit aufgekommen und wurden im Ersten Weltkrieg massenhaft verschickt.

Wilfried besuchte das Gymnasium in Schwyz. Seine resolute Mutter hatte ihn dorthin geschickt, weil er bei der Prüfung in die Sekundarschule durchgefallen war. In seinem Lebenslauf, den er 1948 ins Goldene Buch der Kyburger schrieb, liest sich das so.

An einem regnerischen Maitag des Jahres 1939 stand ich unschuldig wie ein Lamm, das zur Opferbank geführt wird, vor der mächtigen Fassade des Kollegiums Maria Hilf zu Schwyz. Ruhig verliefen meine ersten Internatsjahre. Doch nur zu früh sollte ich das Leben auch von der Schattenseite kennenlernen. An Weihnachten 1942 starb plötzlich meine liebe Mutter, der meine älteste Schwester schon an Ostern des gleichen Jahres im Tod voran gegangen war.

Im 6.Gymnasium trat ich in die Suitia (Verbindung im Kollegi Schwyz) ein und an der GV in Sitten schlang mir der C.P. das rot-weiss-grüne Band um die Brust. Ein Jahr später bestand ich die Matura. Anschliessend musste ich dem Vaterland meinen Tribut zollen. Am 18.Oktober 1944 trat ich in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Lieber wäre ich jetzt noch dort hätte ich nicht ein halbes Jahr später einer ärztlichen Verordnung Folge leistend das Noviziat mit schwerem Herzen verlassen müssen.

Gerne hätte mein Vater ein Studium der Geisteswissenschaften gewählt. Allein man riet ihm davon ab, zu unsicher seien die beruflichen Möglichkeiten.

Wilfried studierte an der Universität Zürich Jura und schoss 1954 mit einer Dissertation zum Recht am Eigenen Bild ab, für das er die Bestnote also ein Summa cum Laude erhielt. Die Dissertation schrieb er im Sanatorium von Leysin. Bei ihm war eine Tuberkulose diagnostiziert worden und die Uni unterhielt aus diesem Zweck ein eigenes Heilinstitut. Dort war auch ein wissenschaftlicher Bibliothekar angestellt, der ihm die Bücher aus der Zürcher Zentralbibliothek besorgte.

Seiner Mitgliedschaft zu den Kyburgern muss in jener Zeit eine zentrale Bedeutung zugekommen sein.

Einige der Freundschaften, die dort begannen, sollten ihn sein ganzes Leben begleiten. Sein Leibbursche Figaro mit bürgerlichem Namen Leo Villiger - er war Gymnasiallehrer - und seine Familie gehörten zu den engsten Freunden meiner Eltern. Zu dessen 40.Geburtstag hat Wilfried ein wohl nicht ganz ernst gemeintes juristisches Traktat mit dem Titel „Die körperliche Züchtigung aus rechtlicher Sicht“ verfasst. Das Traktat hat uns die Frau von Figaro, Ursi Villiger verdienstvollerweise am 80.Geburtstag von Wilfried vorgetragen.

Zwar konnte Wilfried keinen seiner Söhne dazu überzeugen, in eine Verbindung einzutreten. Seine Familie wusste aber um die Wichtigkeit und die Zugehörigkeit und in der Familienwohnung hatten die Mütze und die Farben einen Ehrenplatz.

Als Kinder durften wir auf den traditionellen Maibummel der Kyburger mit. Kyburger-Wanderung hiess das bei uns. Diese Ausflüge haben mir in meiner Kindheit einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zwei Erinnerungen möchte ich hier nennen: Dass einer seiner Kollegen zum Cervelat-Brötle eine Flasche Weisswein entkorkte fand ich als Bub unerhört, denn am Picknick tranken wir gewöhnlich Tee aus einer Feldflasche. Das zweite war ein Mädchen, das mir als damals 10jähriger einen grossen Eindruck machte und mir vom Gymnasium und den Fächern dort erzählte. Ob ich frühreif war oder das Mädchen wirklich ungewöhnlich schön war, muss ich ihrer Phantasie überlassen.

Wilfried durchlief eine klassische Juristenlaufbahn: Sie begann als 1953 Auditor am Bezirksgericht Hinwil, später war er Sekretär am Bezirksgericht und seit 1962 am Obergericht des Kantons Zürich, wo er bis zum seiner Pensionierung im Jahr 1989 blieb. Gerne nahm er auch zusätzliche Aufgaben war, so war er jahrelang Mitglied einer Kommission zur Revision der Strafprozessordnung des Kantons Zürich. Dass der Zürcher Kantonsrat diese Revision schliesslich versenkte, hat ihn allerdings gekränkt.

Wilfried Landwehr war Jurist mit Leib und Seele. Gerechtigkeit war ihm ein zentrales Anliegen und der Wunsch nach Gerechtigkeit hat ihn auch in seiner politischen Tätigkeit begleitet. Dabei galt er als milder Richter. Mild aber mit scharfer Zunge. Einen Kollegen, der für seine positive Haltung zur Todesstrafe bekannt war, erhielt den Übernamen „Blutiger Alfred“. Ein anderer, der gerne etwas über den Durst trank, war schlicht „Chrüter-Hugo“.

Wilfried hat sich in zahlreichen Institutionen engagiert. So in der Schulpflege, der Kirchenpflege, der katholischen Zentralkommission oder dem Administrationsrat des Bistums Chur.

1955 hat Wilfried geheiratet. Seine Frau Antonia kam aus einer Pfarrersfamilie aus dem Kanton Bern. Sein Schwiegervater war ein gelehrter Mann, nicht nur Theologe, sondern auch Orientalist und lehrte 25 Jahre an der Uni Bern arabisch, hebräisch, syrisch und aramäisch.

Wilfried und Antonia hatten drei Kindern das Leben geschenkt: Michael, der 1957 zur Welt kam, Dominik 1958 und Lukas 1963. Wilfried lebte seit dem Tod seiner geliebten Frau Antonia im Konradhof in Winterthur und jeder der drei hat auf seine Weise beitragen können, dass er einen schönen Lebensabend erlebt hat.

Zwar gehört Wilfried nicht zu den aktiven Alten Herren. Wenn es ihm aber möglich war, besuchte er den Kyburger-Stamm in der Zürcher Innenstadt. Der Kauf der Linde in Oberstrass war auch für ihn ein wichtiges Ereignis. Gerne hätte ich ihn 2012 zum Jubiläum auf die Kyburg begleitet, er war aber damals schon so schwach, dass er von sich aus verzichtete.

Vor wenigen Tagen hat mir Oscar Gemsch den Auszug aus dem Goldenden Buch zukommen lassen. Ich habe darin Neues erfahren und danke für dieses Geschenk. Es zeigt mir aber auch, wie intensiv die Kyburger ihre Mitglieder pflegen und Anteil nehmen am Schicksal und an der Entwicklung. Die Zugehörigkeit zu ihnen ist eine Bindung fürs Leben. Die Selbstverständlichkeit, mit der Sie mit uns diese Gedenkfeier organisiert auch eine Fahnenwache entsandt haben, hat mich tief berührt und auch getröstet.

Sie haben uns spüren lassen, was Sie im Refrain des Bundesliedes des Schweizer St.V. besingen:

Und keiner, keiner,
Geh'aus unsrem Bund verloren!

Dominik Landwehr
(Sohn des Verstorbenen)


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