AKV Kyburger Zürich - Studentenverbindung an der ETH und Universität Zürich - seit 1912!
 

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13.01.2016


Rudolf Villiger v/o Pfiff

22.5.1929 – 12.01.2015

Liebe Bodaner, liebe Kyburger, liebe Couleurbrüder

Pfiff hat gewünscht, dass ich an unserem Trauerkommers mit meinen Worten seiner gdenke.

Ich folge seinem Wunsche, im Wissen, dass ich dem, was er uns vorgelebt hat und dem, was er uns geschenkt hat, nicht hinreichend gerecht werde.

Ich möchte zuerst zwei Perioden seiner reichen Vita würdigen:

Seine Zeit als Bodaner und sein Wirken an der HSG. Und wenn ich von ihm als Bodaner spreche, muss ich gleich beifügen, dass er den Kyburgern ebensosehr verbunden war. Und dann möchte ich seine Periode als Unternehmer beleuchten. Letztlich versuche ich, mich zu er-innern, wie ich ihn als Freund erlebte.

Pfiffs Cerevis kam nicht von ungefähr. Als Fuchs machte er genüsslich mit bei studentischen Streichen. An Kommersen sorgte er mit witzigen Pointen für ansteckende Heiterkeit. Als Bursche forderte er mit immer deutlicheren Worten mehr Ernsthaftigkeit im Studium. Und so war es für uns nur natürlich, ihn zum Senior zu machen.

Als Senior prägte er die Bodania: Er gab uns ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Er sorgte für einen klaren Auftritt gegen Aussen. – Im Rektorat und auch beim Bischof fanden unsere Wünsche wieder Gehör. – Das Klima, die Stimmung in der Aktivitas war ihm wichtig. Es gab Tadel oder Aufmunterung. Ein besonderes Anliegen war ihm die gegenseitige Hilfe bei Prüfungsvorbereitungen.

Pfiff selbst beendete sein Studium mit Auszeichnung. Seine Dissertation über „Industrielle Formgebung“ war thematisch ein Novum im deutschsprachigen Raum. Sie entsprach seinem Flair für Formen und Farben und fand reichlich Lob und Anerkennung.

Nach wenigen Jahren Berufserfahrung beim Globus begann sein Wirken an der HSG, mit der er sich voll und ganz identifizierte. – Er erhielt einen Lehrauftrag für die Bereiche Werbung und Detailhandel. Seine profunden Fachkenntnisse und sein eloquenter Vortrag begeisterten die jungen Studenten und brachten ihm einen vollen Hörsaal. – Darüber hinaus war Pfiff Hauptinitiant, Mitgründer und langjähriger Präsident der Weiterbildungsstufe für Ehemalige – genannt WBS. Damit bewies er seinen Weitblick. Die WBS entsprach damals einem dringenden Bedürfnis der Wirtschaft und blieb bis zum heutigen Tage ein durchschlagender Erfolg.

Mit der Entwicklung der HSG in den vergangenen Jahren konnte sich Pfiff nicht mehr befreunden. Er bemängelte die Vernachlässigung der Forschung und kritisierte die Betriebsamkeit verschiedener Institute für lukrative Aufträge und Projekte.

Und nun zum Thema Pfiff als Unternehmer. Seine herausragenden Leistungen als Unternehmer im klassischen Sinne des Wortes finden andernorts ihre verdiente Würdigung. Ich will hier nur eine Bemerkung zur SIKA machen. Mit ihr war er aus bekannten Gründen eng verbunden. Die nachhaltige Positionierung der SIKA trug deutlich seine Handschrift. So ist es verständlich, dass ihn das jüngste Geschehen um SIKA schmerzlich enttäuschte, wie er mir vor wenigen Wochen am Telefon sagte.

Ich möchte hier aber vielmehr von Pfiff als einem Unternehmer sprechen, der sich – nicht des Mammons wegen! - engagierte und exponierte für die Zivilgesellschaft, für die Kirche, für die Armee oder den Sport. - Allseits bekannt ist sein Einsatz für das Entwicklungsland Ruanda. Dafür hängte er den greifbaren Aufstieg zur Spitze des Globus an den Nagel. Viel weniger bekannt ist seine kurze Schrift über den Zivilcourage. Sie enthält das eigentliche Credo von Pfiff für ein Engagement ausserhalb oder neben dem Beruflichen. Das lebte er vor mit seinem Einsatz als Major der Armee, für das Fastenopfer, für eine wohltätige Stiftung in Peru oder für den Rennverein Zürich.

Daneben las Pfiff intensiv und schrieb einige Fachbücher.

Trotz der beeindruckenden Vielfalt von Aktivitäten und Interessen: Er bewahrte die Übersicht, machte nichts Halbes und hatte die Dinge fest im Griff.

Als Letztes versuche ich Pfiff zu beschreiben, wie ich ihn als Freund erlebte.

Es hat sich schon lange herumgesprochen, dass Pfiff, Keck, Blitz, Faruk und ich den verschworenen „Büsi von der Alp Club“ bildeten. Während über 30 Jahren unternahmen wir jedes Jahr eine dreitägige Reise zu schweizerischen oder ausländischen Kulturstätten. Jeder hatte seine Charge. Pfiff war zuständig für Kulturelles. Das entsprach seinem Interesse für Kunstgeschichte.

Mit Elan und Akribie erwarb er das Wissen verschiedener Perioden, Stilrichtungen und Techniken, schickte uns Unterlagen im Voraus. Vor Ort führte er kenntnisreich, weckte unser Verständnis, beantwortete Fragen, sei das nun in der Basilika von Vézelay, in den Kirchen der süddeutschen Barockstrasse oder in der Giannada Ausstellung von Martigny mit Bildern der klassischen Moderne. – Wir spürten förmlich, wie es ihm Freude machte, uns sein Wissen weiterzugeben. So war Pfiff! Mit ihm unterwegs zu sein, war für uns Büsianer ein fröhliches, beglückedes und bereicherndes Erlebnis.

Auch während des Jahres pflegten wir Büsianer eine enge und herzliche Verbundenheit untereinander. Wir freuten uns bei den letzten Begegnungen über die positive Entwicklung der Aktivitas. Wir fanden, dass der „Verein Kloster Wonnenstein“ ein grossartiges, ideelles, unternehmerisches und finanzielles Engagement unserer Altherrenschaft darstellt. Gerne griffen wir dafür etwas tiefer in unsere Taschen.

Ich erinnere mich an ein besonderes Gespräch mit Pfiff. Es war vor wenigen Jahren. Er hatte einen seiner vielen Eingriffe hinter sich. Nur kurz beklagte er seine nachlassenden Kräfte. Dann sagte er, er habe starke Quellen, die ihm helfen, seine Lebenslust und Lebensfreude rasch wieder zu gewinnen. Er nannte seine Familie, seine starke Frau Doris, seine drei Töchter auf die er sehr stolz war. Und er nannte seine Freunde.

Seine Freunde, das sind wir alle, die wir hier beisammen sind. Es bewegt uns Trauer. Es muss uns aber ebenso sehr Dankbarkeit bewegen. Schon der römische Philosoph Tullius schrieb: „Keine Schuld ist dringender als die, Dank zu sagen.“

Danke, Pfiff, für das was du uns vorgelebt hast und für das, was du uns geschenkt hast. – Die Bodania hat den Wahlspruch „Der Freundschaft die Tat“. – Pfiff hat ihn erfüllt – er ruhe in Frieden.

Ivo Gerster v/o Zatopek
AV Bodania


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