AKV Kyburger Zürich - Studentenverbindung an der ETH und Universität Zürich - seit 1912!
 

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13.01.2016
Gral

Thomas Rohr v/o Pfiff

30.11.1923 – 28.12.2014

Wir trauern um Thomas Rohr v/o Pfiff, der am 28. Dezember im Alter von 91 Jahren verstorben ist. Pfiff wuchs in Baden auf, wo er auch die Schulen besuchte. Sein Vater war der Rechtsanwalt und Nationalrat Max Rohr v/o Falk, Turicer und Kyburger-Altherr, seine Mutter eine geborene Schleich, Schwester des Kyburger-Mitgründers Karl Schleich v/o Schwefel. Nach der 1. Klasse Bezirksschule kam Pfiff für drei Jahre ans Collegio Pontificale Papio in Ascona und wechselte dann an die Stiftsschule Einsiedeln, wo er das Gymnasium 1944 mit der Matura Typus B abschloss. In Ein-siedeln trat er auch der Corvina bei, wurde 1942 an der GV Lugano in den St.V. aufgenommen und amtete im Sommersemester des Maturajahres als Senior seiner Gymnasialverbindung.

Im Herbst 1944 begann Pfiff sein Studium an der Abteilung für Chemie an der ETH Zürich, erlangte 1948 das Diplom als Chemie-Ingenieur und schloss sein Studium vier Jahre später mit dem Doktorat an Photographischen Institut der ETH ab. Es folgte zwei Jahre als Postdoctoral Fellow an der University of Rochester im Bundesstaat New York und weitere zwei Jahre als Forschungschemiker bei Monsanto Chemicals in Ruabon, North Wales. 1956 kehrte er in die Schweiz zurück und war bei der Lonza in Visp tätig. Als die damalige CIBA 1968 in Marly ein fotochemisches Werk eröffnete, zog der promovierte Fotochemiker ins Freiburgerland. Bei CIBA-Novartis blieb er bis zu seiner Pensionierung tätig.

Pfiff war musikalisch sehr begabt; er war ein guter Cellist und Klavierspieler. Auch war er Anfang der 1950er-Jahre einer der Mitbegründer der Schola Cantorum Maris Stella, der heutigen Schola Cantorum Wettingensis. Dort lernte er meine Schwester Lotti, seine künftige Frau, kennen, die bei den Aufführungen des Chors jeweils die Orgel schlug. Die beiden heirateten 1953 in der Klosterkirche Wettingen (ich war damals als Rekrut im „hölzigen Gwändli“ mit dabei). Mit den Jahren kamen eine Tochter und drei Söhne dazu, die alle wie ihre Eltern gute Instrumentalisten wurden, so-dass die Familie Rohr zeitweilig ein eigentliches Familienorchester bildete. Ich erinnere mich, wie wir gelegentlich (ich als Zuzüger) bei Gottesdiensten in Stein spielten, wo die Frau meines verstorbenen Bruders Funk Organistin und Chorle­iterin war. Die Lieder hatte Pfiff für sein Ensemble vierstimmig gesetzt. Er hat mir vor ein paar Jahren auch eine Suite für Violoncello solo überlassen, die er im bachschen Stil geschrieben hatte; er wisse schon, dass er sich nicht mit Bach vergleichen dürfe, meinte er, aber die Sarabande sei eigentlich recht gut gelungen. Lose Zungen behaupten übrigens auch, das Haus, das sich Pfiff zuoberst auf dem Montivert in Marly, mit prächtigem Rundblick auf das Freiburgerland, hatte erbauen lassen, sei eigentlich um die beiden Flügel des Musikerpaares herum gebaut worden.

Am Ende seines ersten Studiensemesters, das von Aktivdienst unterbrochen war, trat Pfiff als Fuxe bei den Kyburgern ein, „nicht ohne vorher auch bei der Turicia und bei den Welfen vorbeigeschaut zu haben“, wie er vor ein paar Jahren in einem Brief an den Altherrenpräsidenten Phag bemerkte. Über seine “etwas sonderbare Karriere in der Aktivitas“ schreibt er im selben Brief: „Diese meine Karriere war […] äusserst kurz. Aktiver Bursche war ich nämlich kaum länger als ein einziges Semester. Das ist auch der Grund weshalb ich nie eine Charge innegehabt habe. Diese kurze Zeit reichte auch nicht für die Betreuung eines Leibfuxen. Da zudem auch mein Leibbursch aus der Verbindung ausgetreten ist, bin ich bierfamilienmässig eine Vollwaise.“ Dass Pfiffs Aktivenzeit so kurz dauerte, hatte neben dem raschen Studienabschluss noch einen weiteren Grund, ein Ereignis, das ich ihn einige Male erzählen hörte: Pfiff wohnte während des Studiums, wie ich später auch, im Elternhaus und pendelte täglich mit dem Zug von Baden nach Zürich. Da das Bahnfahren mit dem Couleur in der damaligen 3. Bahnklasse kommentmässig verpönt war, nahm er jeweils am Bahnhof Zürich seine Mütze aus der Mappe und setzte sie auf. (Das tägliche Couleurtragen an der Hochschule war damals selbstverständliche Pflicht.) Pfiffs Betragen missfiel offenbar einigen Burschen, und weil der BC wieder einmal ein Exempel statuieren wollte, verbot man dem Fuxen zur Strafe für „unkommentmässiges Benehmen“ die Teilnahme am Verbindungsball. Das wiederum missfiel Pfiff, und er gab kurzerhand den Austritt. Altherrenpräsident Lang v/o Fass wollte aber den vielversprechenden Fuxen (der zudem Sohn und Neffe von zwei prominenten Alten Herren war) nicht einfach ziehen lassen; er zitierte ihn und das Komitee in sein Büro und erreichte schliesslich, dass Pfiff wieder in die Verbindung eintrat. Inzwischen war einige Zeit ver¬strichen; Pfiff wurde im 5. Farbensemester burschifiziert, war im 6. ak-tiv und im 7. im Hinblick auf das kommende Schlussdiplom bereits totaldispensiert. Soviel zur Aktivenzeit von Pfiff.

Als Altherr hielt sich Pfiff bei den Kyburgern eher im Hintergrund. Da er doch ziemlich weit entfernt von Zürich wohnte, konnte er nicht so oft an Anlässen dabei sein. Er nahm aber regelmässig am Weihnachtskommers und den Generalversammlungen teil und war einige Jahre Regionalvertreter West-schweiz. Umso lieber besuchte er den St.Ver-Stamm in Freiburg, wo er neue Freunde fand. Es ist gewiss Ausdruck seiner Wertschätzung, dass er im Laufe der Jahre gleich bei drei Freiburger Verbindungen zum Ehrenphilister ernannt wurde, bei der Alemannia, der Neu-Romania und der Zähringia. Übrigens, wenn Pfiff an einem Anlass oder am Stamm anwesend war, musste man ihn nicht lange suchen. Sein schallendes Gelächter war auch aus dem grössten Lärm her¬auszuhören, und Pfiff lachte gern und viel.

An eben diesem Freiburger AH-Stamm entstand 1979 auch die Idee der „Wandernieren“. Georges Bärtschi v/o Schrube von der Alemannia, der Burgunder Urban Kaiser v/o Tschiang und Pfiff entschlossen sich eines Abends, den nächsten GV-Ort Sitten zu Fuss aufzusuchen. Zusammen mit einigen Gesinnungsfreunden unternahmen sie dann den Marsch von Gsteig über den Sanetsch nach Sitten. Die Idee fand Gefallen, und so wurde in der Folge jedes Jahr ein Fussmarsch an den Ort des jeweiligen Zentralfestes organisiert. „1986, am siebenten Marsch, auch wieder ins Wallis über den Lötschenpass nach Brig, verlas Schrube in der Etappe in Wiler im Lötschental die Ordensregel, liess sie uns in heiliger Willkür abnicken, schlug jene, die am siebenten Marsch waren, zu Seichern, ernennte jene am zweiten Marsch zu Brünzlern und die Erstmärschler zu Tröpflern, alles schön gemäss der soeben abgenickten Ordensregel. Ebenso installierte er Pfiff als Oberseich und mich als Seichleiter“ (aus einer Mail von Tschiang an mich). Seit jenen Tagen waren die Wandernieren übrigens auch weitgehend eine Angelegenheit der Alemannen, Burgunder und Kyburger. Pfiff war ein milder Ordensoberer; das Befehlen lag ihm, der seine militärische Karriere als Korporal der Infanterie beendet hatte, nicht. Sein Amt als Navigator Maximus (oder etwas vulgärer ausgedrückt: Oberseich) versah er über 20 Jahre, bis er von Rainer Schmid v/o Dom abgelöst wurde. Fast noch wichtiger war, dass er während vieler Jahre zusammen mit dem Wanderleiter (oder eben „Seichleiter“) Tschiang die Ordensmärsche genauestens rekognoszierte. Pfiff war ja (wie wir eben im Gottesdienst von P. Brüchsel gehört haben) ein tüchtiger Tourenskifahrer und Bergsteiger; seine drahtige, zähe Konstitution blieb im bis ins Alter erhalten. Der Marsch 2006 von Brunnen nach Zug war Pfiffs 27ster und letzter; er war damals 83jährig. Dann hatte er das Gefühl, er würde den anderen zur Last fallen.

Pfiff legte wenig Wert auf Äusserlichkeiten. Er war ordentlich gekleidet, aber wenn nicht seine Gattin dazu geschaut hätte, hätte er kaum je einen neuen Anzug gekauft, solange der alte noch ganz war. Auch die Mütze, die er auf sein meist etwas strubeliges Haar drückte, war immer noch dieselbe, die er in seiner Studentenzeit getragen hatte. Ebenso wie Prestigedenken lag ihm auch das Streben nach Karriere oder Ämtern fern. Nicht etwa, dass er sich gescheut hätte, für etwas einzutreten oder vor andere hinzutreten. Das zeigt etwa eine Episode aus Pfiffs Leben, die mir ebenfalls Tschiang mitgeteilt hat: „Pfiff ging in die Annalen der Gemeinde Marly ein. Als in der Gemeinde der Grosse Gemeinderat (Conseil Général) eingeführt wurde, kandidierte Pfiff und wurde gewählt. Die Ehre, die erste Versammlung zu präsidieren, an der Präsident und die Vizepräsidenten zu wählen waren, kam dem Ältesten zu. Pfiff war der Drittälteste. Die zwei älteren hatten Schiss und getrauten sich nicht. Pfiff übernahm das Amt und eröffnete und leitete die erste Sitzung des Generalrats der honorablen Gemeinde Marly mit Bravour, in seinem fehlerfreien, aber mit seinem köstlichen, einmaligen Akzent ausgesprochenen Französisch.“

Bis in die letzte Zeit war Pfiff bei ausgezeichneter geistiger und verhältnismässig guter körperlichen Gesundheit. Nur die Sehkraft und das Gehör hatten nachgelassen. Seit die Sehkraft nicht mehr zum Lesen ausreichte, sass Pfiff meistens den ganzen Tag am Klavier, und als das Notenlesen mühsam wurde, begann er, seine umfangreiche Klavierliteratur auswendig zu lernen. Vor anderthalb Jahren konnte Pfiff mit seiner Frau Lotti den 60. Hochzeitstag feiern, im gleichen Hotel Waldstätterhof in Brunnen, in dem sie vor sechs Jahrzehnten ihre Hochzeit gefeiert hatten.

Nachdem Pfiff vor ein paar Wochen gestürzt war, begannen ihn seine Kräfte zu verlassen. Das Herz wollte nicht mehr mitmachen. Am 28. Dezember durfte er im Kreise seiner Familie friedlich einschlafen. Sein Lachen ist für immer ver-stummt. Wir werden es vermissen.

Erich Haag v/o Gral


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