AKV Kyburger Zürich - Studentenverbindung an der ETH und Universität Zürich - seit 1912!
 

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08.08.2014
Possli

Jules Koch v/o Grill

12.7.1921 – 18.4.2014

 

Ohne Freiamt keine Schweiz; dieser provokante Auftakt zur Trauerrede verblüffte die grosse Zahl der anwesenden StVer. Ich begründete ihn mit der Feststellung, dass die Gemeinen Herrschaften das erste gemeinschaftliche Unternehmen der Alten Orte war, das über gemeinsam unternommene Kriegszüge hinausging.  Das im Jahre 1415  eroberte Gebiet im Freiamt erforderte als gemeinsamer  Besitz Organisation und Verwaltung, woraus sich die ersten staatlichen Strukturen der Eidgenossenschaft  formten.  Die Tagsatzung, die sich vorwiegend mit Fragen der Verwaltung der Gemeinen Herrschaften befasste, wurde entwickelt und ist als Labor der künftigen, politischen  Schweiz zu bezeichnen!

 Jules Koch war ein Freiämter.  Sein Vater war Gesellschafter und in der Direktion der „Georges Meyer und Co AG“ Wohlen. Er hatte – wie damals üblich – klare Berufs-Vorstellungen für seinen Sprössling und steckte ihn in ein katholisches Internat. Fast naheliegend war Sarnen, das Kollegi der „verjagten“ Benediktiner von Muri im Freiamt.

Im Lyceum trat er der Subsilvania bei und wurde auf den Namen „Bünz“ getauft. Später bei den Neuromanen hiess er dann „Grill“. Woher dieser Vulgo stammt, liess sich nicht eruieren. Vor 75 Jahren gab es noch keine Grillutensilien und –angebote in den Läden.  Seine Liebe zur Natur und Kenntnisse von Fauna und Flora führten wohl zum Name GRILL!

Seine Klasse war ein bunt gewürfelter Kreis junger Männer aus der ganzen Schweiz. Nur wer auch Internatserfahrung hat, weiss um die Kraft der Gemeinschaft und der lebenslangen Freundschaften einer solchen Gruppe. Nach der Matura 1942, dem Militärdienst im Jura, startete er das Jura-Studiums in Freiburg. Dort trat er den Neu-Romanen bei und wurde nach dem Wechsel an die Universität Zürich auch Mitglied der Kyburger. Das Studium schloss er 1947 in Freiburg mit der Dissertation „Das Materielle Aktiensteuerrecht im Kanton Aargau“ ab.

Sein Berufsweg führte ihn nach Paris und New York (fast zwei Jahre), jeweils in die Filialen der erwähnten Unternehmung „Georges Meyer u.  Co  AG“ Wohlen, ein bedeutender Betrieb der Strohindustrie . Gerne wäre er auch nach der Heirat mit Maria Keusch im Jahre 1949 in die USA zurück gefahren, seine junge Frau wollte aber nicht! Er trat in Wohlen in den Stammbetrieb ein und erlebte die Blüte und den Niedergang dieser der Mode unterworfenen Industrie.

Er war gezwungen, sich neu zu orientieren und entschied sich, seinen künftigen Berufsweg  in der „Juristerei“ zu finden.

Ab Herbst 1968 arbeitete er in der Verwaltung des Kantons Aargau und wurde 1973 Chef des Handelsregisteramtes. Unter Grills Ägide galt dieses Amt als die kundenfreundlichste, hilfsbereiteste und zuvorkommendste Amtsstelle des Kantons.

Seine Reaktivierung bei den Kyburgern gelang mit  frohen Geburtstagsfeiern, Wanderungen und Kulturanlässen im Aargau. Er lud auch selber zu Stammrunden ein und fühlte sich dabei höchst wohl.

Unerwartet verstarb im Jahre 1992 seine liebe Maria und dies war eine harte Zäsur für Grill. Er kämpfte sich zurück zu den alten Lebensfreuden und fand bei seinen Bienen wieder Tritt ins „Normale“. Einst  erkundigte er sich bei mir, ob er nicht zu alt für den Ball sei, er hätte eine neue, liebe Partnerin! Ich ermunterte ihn zum Tanzkurs und zur Teilnahme am besagten Ball.

Seine grosse Liebe zur Natur begann mit der Bienenzucht; seit seiner Jugend, nun an die 70 Jahre her, hegte er seine Bienenstöcke, schleuderte die Waben und wurde dank Honig (!) so alt. Die Wanderungen, die Pflege des grossen Gartens und das Wissen um Wachsen und Vergehen beschäftigten Grill und sicherten seine robuste Gesundheit. Die letzten Freuden des Alterns (oder das Dessert!) waren seine Grosskinder, die ihn auf Trab hielten und denen er seine Lebenserfahrungen weitergeben konnten. Noch lange besuchte er, im Reusspark, Zentrum für Pflege und Betreuung in Niederwil, Bekannte und Demente bis er selbst zum Pflegefall wurde.

All seine Lieben standen an seinem Sterbebett als er im hohen Alter von 93 Jahren friedlich zu unserem Herrgott in die Ewigkeit eingehen  durfte.

 


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