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22.01.2014
Pfiff

Christian Grand v/o Faruk

10.9.1932 – 30.10.2013


Mit Christian Grand hat uns ein treuer und unvergesslicher Freund verlassen; wir sind alle sehr traurig. Ich will versuchen, drei Aspekte des Lebens von ihm in Erinnerung zu rufen; es sind Gedanken zur Herkunft und zum Bildungsgang, zu seiner beruflichen und freizeitlichen Tätigkeit und zu seiner Persönlichkeit.

Faruk wurde in Frankreich, der Heimat seiner Mutter, geboren. Nach einiger Zeit zogen seine Eltern nach Alexandrien (Ägypten), wo sein Vater beruflich tätig war. Deshalb auch sein Cerevis "Faruk". Dort besuchte er die Grundschulen, bis ihn die Eltern in die Klosterschule Disentis schickten. Er fühlte sich dort sehr wohl und bestand die Matura mit besten Noten. Der damalige Abt liess ihn zu sich kommen, gratulierte ihm zu seinem brillanten Abschluss und fragte ihn, ob er nicht Benediktiner-Pater werden wolle, was Faruk unverzüglich mit einem deutlichen "nein" beantwortete. Hatte er ja gesagt, so wäre aus ihm wohl der eleganteste Benediktiner-Mönch geworden .....

Dann entschloss er sich, an der HSG in St. Gallen zu studieren. Kaum dort, trat er in die AV Bodania ein, wo er sich ausgesprochen wohl fühlte. Seine fröhliche, gradlinige, intelligente und diskussionsfreudige Art faszinierte viele Bodaner; er wurde ein verlässlicher treuer Freund und Kumpan.

Mit fünf Bodanern ergab sich eine tiefe Freundschaft, die bis zu seinem Tod verankert blieb. Ich will ein Ereignis schildern, was aus dieser Freundschaft entstand. Wir alle waren damals fasziniert von unserem AH namens Helbling v/o Büsi-von-der Alp; seine faszinierende, inspirierende Art begeisterte uns jederzeit; sein ausgeprägter Ideenreichtum beeindruckte uns zutiefst; unzählige fröhliche Treffen mit ihm sind uns in bester Erinnerung. An seinem Grab fanden wir uns zusammen, und später beschlossen wir - Blitz, Keck, Faruk, Zatopek und ich - jedes Jahr zum Andenken an ihn eine dreitägige Reise zu schweizerischen und europäischen Kulturstätten zu unternehmen und dabei auch zu wanden, spielen, lachen und vortrefflich zu essen und zu trinken. Dies führten wir während dreissig Jahren durch; wir bildeten dabei einen verschworenen "Büsi-von-der Alp-Club". Faruk war immer dabei und erfreute uns mit seinem Frohmut, seinem Witz und seiner Diskussionsfreude.

Nach seinem wiederum ausgezeichneten Abschluss zum Lic. oec. HSG wechselte Faruk an die Universität Zürich, wo er sich den Rechtswissenschaften widmete, die er mit einem Dr. iur. abschloss. Wesentlich war für ihn dabei, als Mitglied der Kyburger in Zürich aufgehoben zu sein. Er fühlte sich dabei herzlich akzeptiert, war begeistert, und machte gerne an den Anlässen mit. Der Stamm, den er regelmässig und mit Freude und Begeisterung besuchte, bildete ein beliebtes und erlebnisreiches Zentrum seines Zürcher Aufenthaltes. Dabei sei ein Detail erwähnt. Faruk war ein brillanter Jasser, und er traf sich wöchentlich mit einigen Kyburger-AH zum Spiel. Es wurde regelmässig um Geld gespielt; Faruk gewann meistens und kassierte das Geld, um damit einen Teil seiner Freizeit zu finanzieren!

Sein berufliches und freizeitliches Wirken ist eindrücklich. Er etablierte sich in St. Gallen als Rechtsanwalt und war dabei bald sehr erfolgreich. Er genoss hohes Ansehen wegen seiner kompetenten Art: exakt in der Analyse, angriffig und scharfzüngig vor Gericht. Seine Kunden schätzten ihn wegen seiner herzlichen, einfühlsamen und verständnisvollen Art. Sein Ansehen unter den Anwälten bewirkte, dass er zum Präsidenten des St. Galler Anwaltsverbandes gewählt wurde. Nach einigen Jahren gründete er mit dem Kyburger Nisple v/o Dibi eine gemeinsame Kanzlei, die in St. Gallen bald führend war. Beeindruckt hat mich immer die Tatsache, dass Dibi und Faruk regelmässig Ius-Studenten, Absolventen der Bodania und der Kyburger, in ihrer Praxis ausbildeten. In seiner Freizeit beschäftigte er sich - neben seiner Leidenschaft zu spielen - mit dem Tennis- und Golfspiel, oft zusammen mit Freunden. Als Präsident seines Golfclubs nahm er regelmässig an den Präsidenten-Konferenzen teil, deren Mitglieder seine kristallklaren und ideenreichen Voten derart schätzten, dass sie ihn zum Präsidenten des Schweizerischen Golfverbandes wählten. Nach seinem Rücktritt wurde er zum Ehrenpräsidenten erkoren.

Seine Persönlichkeit zu beschreiben, ist sehr anspruchsvoll. Faruk war ein fürsorglicher Familienvater von vier Kindern. Zusammen führte er mit seiner geliebten Ehefrau Olga eine beispielhafte Gemeinschaft; sein Familiensinn war eine dominierende Eigenschaft von ihm. Mit seinen Freunden pflegte er eine enge, anspruchsvolle und zuverlässige Freundschaft und begleitete sie auch in schwierigen Zeiten herzlich und beglückend. In den Diskussionen konnte er bissig, oftmals sehr pointiert und scharfzüngig sein. Gegenargumente, auf gleiche Art platziert, nahm er mit heiterer Gelassenheit hin. Zudem las Faruk intensiv, vor allem französische Literatur, er war ja über seine Mutter sehr  mit Frankreich verbunden. Zudem zeichnete er sich als souveräner Gourmet aus; bei unseren regelmässigen Treffen in seiner Lieblings-Brasserie "Lipp" sorgten seine umfangreichen Portionen Meeresfrüchte regelmässig für Heiterkeit. Auch bei französischen Weinen erwies er sich als grosser Könner.

Vor wenigen Wochen telefonierte er mir zum letzten Mal und sagte: "Ich werde nur noch ein paar Wochen zu leben haben, aber ich freue mich auf den Tod". Dieser Ausspruch zeugte von seiner tiefen Gottesgläubigkeit, die ihn während seinem ganzen Leben begleitete.

So nehmen wir Abschied von Faruk, der mit uns im Herzen und im Geiste für alle Zeiten verbunden bleibt. Er ruhe in Frieden.

 

Rudolf Villiger v/o Pfiff


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