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13.05.2013
Gral

Beat Neuhaus v/o Charme, Dr. iur.
(19. Dezember 1925 – 25. März 2013)

Am 25. März 2013 ist unser lieber Altherr Beat Neuhaus v/o Charme nach langer, vorbildlich ertragener Krankheit in seinem 88. Lebensjahr friedlich eingeschlafen.

Charme ist kurz vor Weihnachten, am 19. Dezember 1925, in Cugy, im Broye-Bezirk des Kantons Freiburg, unweit von Payerne, auf die Welt gekommen. Im Goldenen Buch schreibt er: "Meine erste Jugenderinnerung geht auf den 19. Dezember 1925 zurück. Es war ein herrlicher Wintertag, die ganze Nacht zuvor hatte es geschneit. Punkt 11 Uhr 45 kam ich - mit 30 Tagen Verspätung - zum Frühschoppen an. Im Dorfe donnerten die Mörser, in der Wirtschaft gab es Freibier, man hätte glauben können, der Prinz von Indien sei geboren." Nach wenigen Monaten siedelte die Familie nach Zürich um, Charme schrieb: "...nach Zürich, in das vornehmste Quartier von Zürich - wohnt dort nicht AH Schmelz?". Er berichtet in seinem damaligen Lebenslauf auch, dass ihm eine Strafaufgabe aus der vierten Klasse in die Hände gefallen sei, in welcher er hundert Mal schreiben musste "Ich soll die Mädchen in Ruhe lassen". So erstaunt es nicht, dass die Eltern den offenbar begabten Jüngling für acht Jahre weg von Zürich zurück ins Freiburger Land ans Collège St. Michel schickten. Charme fand, es seien schwere Jahre gewesen, und zwar nicht wegen der Arbeit. Er sei oft ge-zwungen gewesen, den einen oder anderen Paragraphen des Reglements zu übertreten - dennoch habe man ihn stets als guten, anständigen und seriösen Studenten betrachtet. In Freiburg trat er der Gymnasialverbindung Zähringia bei.

 

Nach der Matura kehrte Charme zurück nach Zürich, um das Ius-Studium zu beginnen. Sein Onkel, der früh verstorbene Jules Collaud v/o Maury, war schon Kyburger gewesen. Er habe der Aktivitas die Kosten für Keilbiere erspart, und Beat Neuhaus wurde ohne weitere Umstände Kyburger. Wenn man sich manchmal fragt, was denn das Taufkomitee bei der Wahl eines Vulgo gedacht haben möge: wenn man das Bild des gutaussehenden Neoburschen im Golde-nen Buch betrachtet, wird sofort klar, warum man ihn "Charme" taufte. Viel-leicht war in dem gebürtigen Deutschfreiburger doch auch ein Schuss welsches Blut. Jedenfalls war er nach Aussagen jener, die mit ihm aktiv waren, allseits beliebt. Da er in einer Motorrad-Kompanie Dienst tat, fuhr er auch im Zivilleben Töff, was ihm natürlich die Bewunderung seiner Mitstudenten eintrug. Sein Biervater ist Ruedi Keel v/o kk, der sich leider heute aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen muss. Sein Biersohn war der nachmalige Zahnarzt Arnold Noelly v/o Stoos, der leider schon 2005 verstorben ist. In der zweiten Hälfte der Vierzigerjahre bekleidete Charme immer wieder Chargen: FK, Consenior und im Sommersemester 1949 das Amt des Seniors.

Gerade anschliessend wählte ihn die GV 1949 in Locarno zum Centralpräsiden-ten des Schweizerischen Studentenvereins. Er war nach Rudolf Zai v/o David erst der zweite Kyburger, der dieses hohe Amt bekleidete. Im Militär war Charme Fourier. Seine Studien schloss er 1954 mit dem Doktorat beider Rechte ab, mit einer Dissertation über die Prozessherrschaft im freiburgischen Zivilprozess.

Im gleichen Jahr verheiratete Charme sich mit Margrit, die er im St. Peter kennen und lieben gelernt hatte und die ihm eine Tochter und zwei Söhne schenkte. Schon bald hätte das Paar die diamantene Hochzeit feiern können. Das ist ihnen nun leider nicht vergönnt.

Beruflich ging es zuerst für anderthalb Jahre ans Bezirksgericht Zürich und dann für zwei Jahre zur Schweizerischen Bankgesellschaft. 1957 wurde Beat Neuhaus Sekretär und Stellvertreter des Vorstehers der Eidg. Bankenkommission in Bern. In den Sechzigerjahren zog es ihn mit seiner Familie nach Zürich zurück, wo er seit 1967 das Sekretariat der Eidg. Weinhandelskontrollkommission leitete und gleichzeitig die Schweiz im Office International de la Vigne et du Vin in Paris vertrat. Lange Jahre leitete er die Wirtschaftskommission des internationalen Weinamts und publizierte zahlreiche Artikel z.B. über die Entwicklung des Welt-Weinmarkts, über Handelshemmnisse, Kontingente oder über die Bekämpfung der Fälschungen. 1982 wurde er zum Präsidenten dieser Organisation gewählt. Das Sekretariat der Weinhandelskommission wurde Charmes Lebensstelle; er selber galt als anerkannter Fachspezialist.

Neben diesen beruflichen Tätigkeiten stellte sich Beat Neuhaus v/o Charme auch der Öffentlichkeit in zahlreichen Ämtern zur Verfügung. Er diente der Gemeinde von Kilchberg, wohin die Familie gezogen war, als Gemeinderat und Bauvorstand, dem Bezirk Horgen als Bezirksrat für die CVP und schliesslich der ehemaligen Stiftung Krankenhaus Sanitas Kilchberg und heutigen Stiftung See-spital Horgen und Kilchberg, die er von 1983 bis 2002 präsidierte. Sein Ansehen bezeugt die Tatsache, dass er zum Ständigen Ehrengast des Conrad-Ferdinand-Meyer-Hauses in Kilchberg ernannt wurde.

Charme hat in jungen Jahren sehr aktiv in der Verbindung und im St.V. als CP gewirkt. Im Sog von beruflichen und ausserberuflichen Engagements wurde er ein seltener Gast und hatte nur noch mit vereinzelten Kyburgern Kontakt. Das mag man bedauern, aber wir wissen auch, dass er sich den Kyburgern stets treu verbunden fühlte. – Er möge nun, nach einem erfüllten Leben, in Frieden ruhen.

Erich Haag v/o Gral, 03.04.2013


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