AKV Kyburger Zürich - Studentenverbindung an der ETH und Universität Zürich - seit 1912!
 

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15.02.2012
Gschtalt

Hans Schaffhauser v/o Gift, 3. April 1922 bis 9.Februar 2012

Am 9. Februar 2012, gerade 2 Monate vor seinem 90. Geburtstag, hat uns Hans Schaffhauser v/o Gift als letzter noch lebender „Stamm Leise“-Gründer nach langer beschwerdereicher Leidenszeit verlassen.

Im Stammbuch der Innerschweizer „Leisianer“ findet man am 13. Oktober 1950 folgende eingesandte Zeitungsnotiz:

Akademisches. Herr Hans Schaffhauser, Sohn von Herrn und Frau Hans Schaffhauser, Prokurist, Luzern hat an der Eidgenössischen Techn. Hochschule in Zürich das eid-genössische Staatsexamen als Apotheker mit schönem Erfolg bestanden. Die Kyburger gratulieren dem Neo-Altherren von Herzen und wünschen ihm weiterhin Glück im Philisterium.

Das war der Grenzstein zwischen einem intensiven StV-erischen Studenten-leben und dem jetzt folgenden ernsthaften pharmazeutischen Berufs- und kinderreichen Familienleben.

Geboren am 3. April 1922 in Luzern. Aufgewachsen mit seinem Bruder Matteo Schaffhauser v/o Jod, ebenfalls späterer Apotheker in Luzern, besuchte Gift die humanistische Abteilung der Kantonsschule Luzern, wo er der Semper Fidelis beitrat, als deren Consenior und Senior er waltete, 1940 in denStV aufgenommen wurde und 1941 die Matura bestand.

In Freiburg trat er - wie er es selber so formulierte! - als Anhänger eines straffen Verbindungsbetriebes der AKV Alemannia bei, zu deren FM er schon bald bestimmt wurde. Dass viele Jahre später sein Sohn Hans Peter v/o Tätsch couleurstudentisch einem straffen Verbindungsbetrieb ebenfalls nicht abhold war, beweist die erbliche Dominanz dieser Eigenschaft.

1943 bestand er das 1. Pharmazeutische Prope in Freiburg und 1947 das pharmazeutische Assistentenexamen in Bern.

Weiterführung des Pharmaziestudiums an der ETH in Zürich und Übertritt in die AKV Kyburger 1948, wo er im SS 1949 FM war.

1950Diplom als Apotheker, 1957 Promotion zum Doktor der Naturwissen-schaften.

Anfänglich Assistent bei Bio in „Dr. Schmid‘s Seeapotheke“, später Verwalter der Scheffel-Apotheke in Zürich und ab 1954 eigene Apotheke in Luzern, womit er den Grundstein für die Neustadt-Apotheke beim Bundesplatz und die Cysat-Apotheke im Kantonalbankgebäude legte, welche beide er später seinen Kindern Carla und Hans Peter zur kompetenten und erfolgreichen Weiter-führung in einem leider zunehmend schwierigeren gesundheits- und standespolitischen Umfeld übergeben konnte.

Parallel zu seiner beruflichen pharmazeutischen Ausbildung leistete Gift Aktivdienst bei der Festungs-Artillerie, wurde Leutnant, Oberleutnant und schliesslich Hauptmann des Territorial-Dienstes. Es machte ihm Freude, über die lustigen und schaurigen Erlebnisse hoch in den Bergen bei den Artilleriewerken Gotthard-Hospiz und Furkapass zu erzählen.

Gut vorbereitet durch die artilleristische Grundausbildung meldete er sich Mitte der vierziger Jahre bei der Bruderschaft der Herrgottskanoniere, wo es ihm für die höchsten Chargen aber nicht reichte. Dafür wurde seiner Gattin Paula die Würde der Fahnenpatin übertragen.

1963 wurde er Grossrat des Kantons Luzern für die CVP, wie es sich damals noch für einen überzeugten StVer schickte.

Zusammen mit seinen Kyburger Freunden Bio, Shimmy, Farad, Check und Jürg gehörte er am 17. September 1948 zu den Gründern des Stammes Leise, zu denen sich bald auch der Burgunder Alfons Egli v/o Keck, alt Bundesrat, gesellte. Uneingeschränktes Gastrecht im Wirtshaus Schwanen wurde Ihnen von den Wirtinnen Luise und Anna Richli gewährt, so dass man es heute kaum mehr glauben kann, welch intensiver Stammbetrieb dort herrschte, ganz im Gegensatz zum Wörtchen „Leise“. Unzählige Namenseintragungen im Stammbuch - fast immer dabei der Name Gift! - oder gegen 100 Kartengrüsse an den Stamm Leise aus aller Welt von bedeutenden Kyburgern und StVern aus Zürich und Luzern sind dokumentiert.

Gift hatte ein besonderes Flair für Untergruppierungen und Club-Gründungen. So war er viele Jahre Schreiber und Programm-Antreiber im „Überland“-Club, einer Unter-Sektion des „Stamm Leise“, wobei Gift dafür sorgte, mit alkoholischen Getränken so sparsam wie möglich und „ungiftig“ umzugehen, insbesondere in der Landschaft von Luzern.

Anderseits war er auch treues Mitglied des „Krawatten-Clubs seiner Kyburger-Altersgenossen aus der Ostschweiz wie Specht, Chlor, Chnopf, Gipfel, Zart, Diavolo. Das Krawatten-Tragen war obligatorisch und von Zart eingeführt an der GV 1993 in Appenzell. Selbstverständlich erfolgten die regelmässigen Tagungen stets in Begleitung der verständnisvollen Gattinnen.

Besonders freute er sich auch auf die Einladungen von Jubel zum Club-80-Plus der Kyburger und in jüngster Zeit, solang es der Körper noch zuliess, fand er Abwechslung als Passivmitglied beim sogenannten Kegelclub.

Sportlich hat sich Gift 1950 ausgezeichnet durch die Erfindung des Kyburger-Altherren-Turnens in Zürich, das bis vor 1 Jahr noch weiter florierte.

1958 heiratete Gift Paula Theiler, die ihm eine ausserordentlich treu sorgende, verständnisvolle und hilfreiche Gattin wurde. Bald gab es Kindersegen: 1959 Carla, 1962 Hans Peter und 1967 die Zwillinge Sandra und Andrea. Das pharmazeutisch-medizinische Gen wurde ihnen in die Wiege gelegt: akademischer Abschluss gleich dreimal in Pharmakologie und einmal in Zahnmedizin mitsamt einer glücklichen Schar von 6 munteren Grosskindern! - Wie bringt man das alles unter ein Dach, und dazu noch die Last vieler körperlicher Erkrankungen?

Nach einer akuten Rückenmarksblutung 1987 mit partieller Querschnitts-lähmung im Anschluss an einen Herzinfarkt musste sich Gift einer sehr schweren Rückenoperation mit 3-monatigem Klinikaufenthalt unterziehen. Dass er trotzdem nahezu plötzlich wieder gehfähig wurde, gleicht – meines Erachtens - einem Wunder, was man wohl seiner durch Gottvertrauen geprägten Lebensart zuschreiben darf.

„Steh auf. Nimm dein Bett und geh nach Hause!“

Schwere Abnützungen an Wirbelsäule und Gelenken verhinderten in den letzten Jahren zunehmend, sein durch Freund Plast erbautes Haus an der Berglistrasse zu verlassen, um Verbindungsanlässe zu besuchen.

In den letzten Monaten traten die klinischen Zeichen der Herzinsuffizienz immer mehr in den Vordergrund, so dass Gift an Wasserrückstau und Atemnot zu leiden hatte.

Wegen eines Augenleidens konnte er auch kaum mehr lesen.

Dank des unermüdlichen pflegenden Einsatzes seiner Gattin Paula und seiner vier Kinder und unter Ausschöpfung aller denkbaren günstigen Wirkungen der eingesetzten Pharmatherapeutica konnte man Gifts Wunsch erfüllen, nicht ein weiteres Mal mehr hospitalisiert zu werden.

Am 9. Februar kehrte er - vollständig invalidisiert -, geläutert durch die monatelange schwere Leidenszeit, aber doch friedlich und zuversichtlich im Kreise seiner Familie zu seinem Schöpfer zurück.

Allen, die Gift persönlich kannten als erfolgreichen, liebenswürdigen und geselligen Apotheker, Familienvater und StVer bleiben seine irdischen Spuren unvergessen. – Non sibi – sed aliis: Nicht für sich selbst – sondern für die Anderen. Das war der Wahlspruch über seinem Leben.

Ein treues Andenken bewahren wir ihm.

Albert Achermann v/o Gschtalt


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