AKV Kyburger Zürich - Studentenverbindung an der ETH und Universität Zürich - seit 1912!
 

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16.09.2010
Gral

Rolf Brändle v/o Fürli
geb. 21.05.1934
Dipl. Bau-Ing. ETH

Wir müssen heute Abschied nehmen von Rolf Brändle v/o Fürli, der nach langem, mit bewunderungswürdiger Tapferkeit und Geduld ertragenen Leiden am 2. September 2010 gestorben ist. Wir haben einen liebenswürdigen, treuen Freund, einen sehr engagierten Kyburger verloren, der stets mehr gab als forderte. So wie er auf dem Foto im Goldenen Buch erscheint, ist er zeitlebens geblieben. Seine offene Art, sein heiterer Sinn und sein fröhliches Lachen, auch wenn es ihm einmal nicht so gut ging, schafften ihm Freunde, und es gibt wohl nur wenige Kyburger, die ihn nicht kannten und schätzen.
Fürli und ich waren beinahe Consemester. Er kam ein Jahr nach mir, 1954, nach Zürich, nachdem er in Einsiedeln die Matura Typus A (mit Latein und Griechisch) bestanden hatte. In Einsiedeln hatte er auch der Corvina angehört. Schon Fürlis früh verstorbener Vater Whisky war Kyburger gewesen; das war wohl, neben seinen Wiler Couleurfreundschaften, der Hauptgrund für seinen Eintritt bei den Kyburgern. Die 1950er Jahre waren bei den Kyburgern die Zeit, wo der Stall bis zu 20 Füxen zählte – Verhältnisse, von denen man heute nur noch träumen kann. Aus Fürlis Einsiedler Maturaklasse stiessen ein Jahr darauf Berchtold v/o Quint zu den Kyburgern, dann später, nach einigen Semestern in Freiburg, Brunschwiler v/o Alias, Bischoff v/o Satis, Rüttimann v/o Pass und Kennel v/o Strong. Fürlis Leibbursche war der früh verstorbene Rudenz Schmid v/o Pelleas, sein Biergrossvater Belser v/o Cherry, sein Leibfuxe auch ein Schmid, aber diesmal mit dem Vulgo Job, auch er ein Alt-Einsiedler und Corviner. Eine besonders enge Freundschaft verband Fürli mit dem um zwei Semester älteren Bruno Wick v/o Kran, der wie Fürli aus Wil stammte und ebenfalls Bauingenieur studierte. Mit Kran teilte Fürli nicht nur lange Zeit die Bude, er war auch sein getreuer Consenior und später, als Kran Altherrenpräsident wurde, sein Kassier.
Fürli war ein eifriger Fuxe, ein fröhlicher Farbenstudent, der gern am Verbindungsleben teilnahm und manchen studentischen Ulk, wenn auch nicht gerade anführte, so doch mitmachte. Es war die Zeit, als die Kyburger ihren Stamm im Restaurant Commercio an der Schützengasse hatten, wo die Wirtin, Frau Siegrist, wie eine gute italienische Mamma das Ristorante führte und dabei vieles, manche sagen: zu vieles, tolerierte und wo oft recht wilde Sitten herrschten. Fürli gehörte wahrscheinlich eher zu den Gesitteteren der damaligen Aktivitas. Bald hatte man auch herausgefunden, dass Fürli nicht gut nein sagen konnte. Er wurde, auch als er nicht mehr Fuxe war, in allen verflixten Situationen immer wieder als Helfer und Nothelfer angegangen und versagte seine Hilfe nie. So war es etwa der Fall, als an der Hochzeit von Kopp v/o Zinal der Kyburgerdelegation die Fahnenspitze abhanden kam; die Welfen hatten sie behändigt. Es war Fürli, der gar nicht zur Fahnendelegation gehört hatte, der sie am Welfenstamm im Palmhof mit 6 Ganzen auslösen musste. (Fürli hat auch in späteren Jahren nur mit Schaudern erzählt, wie er sich aus dem 6-fachen herausgetrunken hat.)
Der Anfang des Studiums an der ETH mit der A-Matura von Einsiedeln sei nicht leicht gewesen, schrieb Fürli in seinem Lebenslauf. Mathematik und Naturwissenschaften wurden damals an den Innerschweizer Kollegien etwas stiefmütterlich behandelt. Aber Fürli biss sich durch; er fand das Studium als Bauingenieur auch, wie er schrieb, zunehmend interessanter. Bereits im 9. Semester schloss er es mit dem Diplom ab. Da sein Vater schon früh verstorben war, musste und wollte Fürli seine Studienzeit möglichst kurz halten. Dank Intelligenz und Fleiss gelang ihm der Abschluss nach Wunsch. Ende 1958 verliess er die Hochschule und die Verbindung und trat in den Altherrenverband über. Beruflich führte ihn sein Weg zuerst ins Ausland, dann auf verschiedene Baustellen in der Schweiz. Als er dann sein Domizil in der Nähe von Zürich aufschlug, holte ihn Kran in den Altherrenvorstand, wo er einige Jahre das Amt des Kassiers versah.
 
         
Fürli war auch eines der frühesten Mitglieder des löblichen Ordens der Wandernieren und nahm über mehr als 20 Jahre an den jährlichen Ordensmärschen teil, bis er 2005 aus gesundheitlichen Gründen damit aufhören musste.
Besondere Verdienste erwarb sich Fürli um das Kyburgerhaus Linde Oberstrass. Er war 1985 Vorstandsmitglied der Genossenschaft Kyburgerhaus geworden und wurde 1990 zum Präsidenten gewählt als Nachfolger von Robert Hafner v/o Tank, der die Genossenschaft seit ihrer Gründung 1971 geleitet hatte. Auf Fürli wartete ein gerütteltes Mass von Arbeit. Die „Linde“, die 1979 für 2,6 Mio. Franken erworben und seither schon wiederholt in Teilen renoviert worden war, musste umfassend saniert und erneuert werden. Ein neues Betriebskonzept war vonnöten – auch damit die Kasse stimmte – das Gesundheitsinspektorat und die Feuerpolizei verlangten Anpassungen, und das alles an einem historischen Bau mit vielen Unbekannten. Im Juli 1992 hiess eine a.o. Generalversammlung der Genossenschaft das Konzept für die Totalsanierung gut, Ende des gleichen Jahres wurde das Baugesuch eingereicht und, nach einem Intermezzo mit der Denkmalpflege, konnte ein knappes Jahr später, am 9. November 1993, mit den Bauarbeiten begonnen werden. Bereits am 8. Juni 1994 wurde die Taverne zur Linde offiziell eröffnet. Natürlich gab es eine Reihe sonstiger Kyburger, die am Bauvorhaben mitwirkten: Niklaus Wild v/o Wif leitete die Planungskommission und später die Linde Oberstrass AG, Bruno Wick v/o Kran war Präsident der Finanzierungskommission, mit dem Architekturauftrag wurde Paul Herzog v/o Form betraut, mit den statischen Berechnungen Fredy Lorenz v/o Varia. Weitere Kyburger waren im Vorstand der Genossenschaft, im Verwaltungsrat der Linde Oberstrass AG oder als Berater tätig. Im Zentrum des Geschehens aber stand Fürli: Er war Präsident der Genossenschaft und VR-Mitglied der Linde Oberstrass AG, er verhandelte mit Behörden, Banken und Geldgebern, mit Architekten, Bauunternehmern, Rohbaumieter und Juristen, er behielt die Übersicht über Verträge, Bauarbeiten, Bewilligungsverfahren und Finanzen. Während ungezählter Stunden setzte er sich, mit Unterstützung seiner Frau Rita, für die Realisierung des Kyburgerhauses ein. Seine Berufserfahrung und der Sinn für das Praktische kamen ihm dabei zustatten. Gelegentlich half vielleicht auch etwas das Glück des Tüchtigen. Was mich immer wieder beeindruckte: Allen Schwierigkeiten zum Trotz kamen Fürli seine Ruhe und der Optimismus nie abhanden. Seine Zuversicht wirkte ansteckend. Rückblickend kann man wohl sagen: Ohne Fürli wäre das Kyburgerhaus wohl nicht in dieser Art, in dieser Zeitspanne und vielleicht auch nicht zu diesen Kosten realisiert worden. Mit gutem Grund wurde er zum Ehrenpräsidenten der Genossenschaft ernannt. Wir haben allen Grund, ihm dankbar zu sein.
Fürli hat in seinem persönlichen und beruflichen Leben neben vielem Schönen auch herbe Schläge und Rückschläge erlebt und sie tapfer ertragen. Besonders beeindruckt war ich, wie er seine letzten Lebensmonate gemeistert hat. Es war vor etwas mehr als einem Jahr, als mich Fürli besuchte und mir von seiner unheilbaren Krankheit erzählt, ruhig, sachlich, nicht beschönigend, nicht dramatisierend. Wir konnten über Gott und die Welt, über Leben und Sterben reden. Jedes Mal, wenn ich ihn seither besuchte, war er gefasst, gelassen, konnte auch dann noch lachen und fröhlich sein. Nie habe ich ihn jammern oder klagen gehört. So ging manchmal der Besucher, der etwas beklommen hergekommen war, aufgerichtet nach Hause. Natürlich wusste Fürli sich getragen von seiner wundervollen Frau Rita, seiner Familie und vielen Freunden.
Jetzt ist Fürlis Lebenslicht erloschen. Er ist nicht mehr da. Wir trauern um einen Freund, der tapfer war und treu.

E. Haag v/o Gral


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