AKV Kyburger Zürich - Studentenverbindung an der ETH und Universität Zürich - seit 1912!
 

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16.09.2010
Spurt

Hans Pfiffner v/o Rigolo
Dr. sc. nat., Apotheker
1923–2010

Wir haben heute unseren lieben Farbenbruder Dr. Hans Pfiffner v/o Rigolo zu Grabe getragen. Ich möchte an dieser Stelle seiner Familie das herzliche Beileid der anwesenden Mitglieder der Kyburger und der Corona Sangallensis sowie weiterer Verbindungen aussprechen. Die Familie Pfiffner ist heimatberechtigt in Mels-Weisstannen im Sarganserland. Weil ich selbst in der Nachbargemeinde Flums auf aufgewachsen bin, kenne ich Land und Leute dieses wunderschönen Tales aus eigenem Erleben.
Eingebettet zwischen der Churfirsten- und Alvierkette einerseits sowie dem Mürtschen und dem Spitzmeilen anderseits, bilden oft schroffe Felswände und lieblichen Gestade am Walensee ein Gesamtbild von unerhörter Stärke. Zweifellos prägt eine derartige Landschaft auch die Bewohner.
Der Sarganserländer war immer fremden Einflüssen ausgesetzt. Das hängt mit der geographischen Lage als Durchgangsland aus dem Gebiet Zürich – Schwyz über die Bündner Pässe nach Oberitalien zusammen. Wer hier durch wollte, legt Hand auf das Schloss Sargans. Zum Abschluss vor der Revolution 1798 waren es seit 1483 die sieben alten Orte (ohne Bern), und nach dem zweiten Villmergenkrieg (1712) die alte achtörtige Eidgenossenschaft.
Warum ich das alles sage? Weil Geographie und Geschichte im Verlauf der Generationen die Menschen prägen. Von der Herkunft her sind die Sarganserländer bis in die Neuzeit zum überwiegenden Teil Rätoromanen. Vereinzelt sind Alemannensiedlungen festzustellen und punktuelle Spuren haben auch die Walser hinterlassen.
Die Rätoromanen gelten als heimat- und schollenverbunden, die Alemannen als gefühls- und gemütsbetont. Es scheint mir, dass Rigolo diese beiden Elemente seiner Vorfahren auch in St. Gallen und Bern weiter gelebt hat. Es war stark mit der Heimat verbunden, aber von seinen Gefühlen und seinem Gemüt her eng eingebunden in seine Familie.

Mittelschule
In seiner Heimatstadt St. Gallen besuchte der Verstorbene die Kantonsschule. Diese war damals stark liberal geprägt. Trotzdem wurde bereits 1896 die Corona Sangallensis gegründet. Aber das 1912 eingereichte Gesuch um Eintritt in den StV. Wurde mit einem Verbot des Anschlusses an einen konfessionellen Verband beantwortet, sodass der Eintritt in den StV nicht möglich war. Im Jahre 1933 wurde ein neues Gesuch um Aufnahme in den StV gestellt. Aber erst 1936 wurde es vom Regierungsrat im Rekursverfahren mit knapper Mehrheit bewilligt.
         
Das war das Umfeld, als 1941 der junge Stdent hans Pfiffner in die Corona Sangallensis eintrat. Ich brauche jetzt nicht mehr besonders zu betonen, dass die Politik besonders während den Kriegsjahren einen wichtigen Teil der Diskussionen in der Verbindung einnahm. Weil ich 6 Jahre später selbst als Sangallenser aktiv war, kann ich das aus eigenem Erleben bestätigen. Politische Probleme nahmen einen grossen Teil der Diskussionen ein. Alte Herren in politischen Stellungen referierten in unseren wissenschaftlichen Anlässen und diskutierten mit Aktiven und Alten Herren. Zur Zeit von Rigolo als Fuchsmajor kann ich mir das auch deshalb lebhaft vorstellen, weil in seinem Stall ein gewisser Kurt Furgler v/o Müüli war – übrigens auch ein Saganserländer – den die Politik zeitlebens beschäftigte.

Militär, Familie, Beruf
Zur Politik gehört in unserem Demokratieverständnis zweifellos das Militär. Das dürfte insbesondere während der damaligen Kriegszeit der Fall gewesen sein. Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, dass Rigolo von all diesen Diskussionen etwas mitbekommen hat, das ihn veranlasste, neben Studium und Beruf eine militärische Karriere einzuschlagen, die ihn bis zum Oberstlt der Sanität (Chef der Apotheker) führte.
Nach erfolgreich abgeschlossener Matura begann er im Jahre 1942 das Hochschulstudium als Apotheker an der ETH Zürich. Gleichzeitig trat er in die akademische Verbindung Kyburger ein. Auch in dieser Verbindung übernahm er im WS 1947/48 das Amt des Fuxmajors. Seine Hochschulexamen bestand er 1944 (1. Prope), 1946 (2. Prope), 1949 (Diplom) und 1952 (Doktorat).
Im gleichen Jahr heiratete er Frau Margrit Keller. Eine dauernde Bleibe fand er mit seiner Familie in Kehrsatz, wo sich das mit 4 Töchtern und einem Sohn Füllte – später wieder leerte. Dafür kamen 9 Enkelinnen und Enkel dazu.
Beruflich trat er 1952 in die Firma Wander AG in Bern ein. Dieser Firma blieb er treu bis zu seiner pensionierung im Jahre 1983 als Direktor der Pharmaproduktion. Auf Grund seiner hervorragenden beruflichen Tätigkeit war er auch während Jahren Präsident des Schweiz. Phamazeuten-Verbandes.

Kontakte
Familie, Militär und Beruf haben Rigolo all die Jahre stark in Anspruch genommen. Seine Kontakte mit den Berner und Solothurner-Kyburgern, die früher eigene Anlässe durchführten, waren eher rar. Weil die Kyburger heute in diesem Raum selten geworden sind, gilt der wöchentliche Stamm des StV in Bern als Treffpunkt.Den Weg zu diesen Anlässen hat Rigolo nicht mehr gefunden.
Still und leise hat er sich verabschiedet. Der Herr lasse ihn ruhen in Frieden.

R. Kurath v/o Spurt


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